Wetterphänomen im Spätsommer

Wenn sich der September dem Ende neigt, stellen wir uns bereits auf kühlere Temperaturen und herbstliche Winde ein. Doch oft scheint in dieser Jahreszeit die Sonne noch so kraftvoll, als wolle sie ihre immer kürzer werdenden Auftritte wettmachen und dem Sommer einen würdigen Abschied bereiten. Dieses Phänomen ist gemeinhin als Altweibersommer bekannt – eine Schönwetterperiode, die uns relativ zuverlässig (in fünf von sechs Jahren) milde, fast windstille Tage beschert. Grund dafür ist ein Azorenhoch, das sich nach Süd- und Mitteleuropa verlagert. Mit ihm kommt aus südlicher Richtung Warmluft in unsere Gefilde. Außerdem sind die Temperaturen über dem Meer und der Landmasse in dieser Zeit ausgeglichener, sodass es keine Luftdruck-Unterschiede gibt, was uns eine ruhige Wetterlage beschert. Auf bis zu 30 Grad klettern die Temperaturen in diesen Tagen häufig, allerdings sinken sie in den Nächten oft rapide, sodass erste Bodenfröste möglich sind. Meist hält sich dieses schöne Wetter über mehrere Wochen, die Kernzeit des Altweibersommers liegt um den 22. oder 23. September.

Bunt gefärbter Wald

Unsere Wälder leuchten in warmen Tönen. Die Trockenheit, die mit diesem Wetterphänomen einhergeht, beschleunigt die Laubverfärbung.

Herbstbeginn

An diesem Datum dauern Tag und Nacht exakt 12 Stunden. Diese sogenannte Tagundnachtgleiche gilt bei uns als kalendarischer Herbstbeginn. Für viele Menschen ist dies die schönste Zeit des Jahres, denn jetzt zeigt sich die Natur in einer fast verschwenderischen Farbenvielfalt. Die Blätter der Laubbäume tauschen ihr sattes Grün gegen leuchtendes Rot, Orange oder Gelb. Der Himmel zeigt sich häufig in einem strahlenden Blau, zudem ist es fast windstill und durch die klare Luft kann man eine tolle Fernsicht genießen.

Schönes Wetter im Herbst

Wie ein Gemälde wirkt diese Landschaft, die von der Spätsommer-Sonne in ein warmes Licht getaucht wird. Der Altweibersommer beschert uns nicht nur milde Temperaturen, sondern auch klare Luft und somit eine tolle Fernsicht.

Herbstblatt mit Spinnenfäden

Die zarten Fäden, auf denen sich junge Spinnen durch die Lüfte tragen lassen, sind typisch für diese Schönwetterperiode, die auch „Fliegender Sommer“ genannt wird.

Spinnennetz im Wald

Im Licht der Morgensonne sind die Spinnennetze besonders gut zu sehen. Im Altweibersommer begegnen uns jedoch hauptsächlich einzelne Fäden, die durch die Lüfte schweben und an das silberne Haar alter Frauen erinnern.

Spinnen im Herbst

Zu diesem Sommerausklang gehört auch der silbrige Glanz von zarten Spinnfäden. Sie stammen von jungen Baldachinspinnen. Die winzigen Tierchen nutzen die dünnen Flugfäden, um sich auf ihnen durch die Luft tragen zu lassen. So erschließen sie sich neue Territorien. Aufgrund der Thermik können die kleinen Spinnen nur aufsteigen, wenn es warm und windstill ist.

Bauernregeln im Spätsommer

Viele Bauernregeln beschäftigen sich mit dem Wetterphänomen. Sie beruhen auf Beobachtungen und haben oft noch heute Gültigkeit. So macht sich der Kiebitz erst auf in den Süden, wenn die Temperaturen sinken.

Geschichte rund um den Altweibersommer

Wenn also beim nächsten spätsommerlichen Spaziergang die feinen Fäden im Gesicht kitzeln, ist dies ein Grund zur Freude, denn sie sind ein Hinweis, dass wir uns auf eine beständige Schönwetterperiode einstellen können. Wahrscheinlich verdankt der Altweibersommer dieser Besonderheit aus dem Tierreich auch seinen Namen. Denn „Weiben“ ist ein altdeutscher Ausdruck für das Knüpfen von Spinnweben. Auch viele Mythen ranken sich um die zarten Fäden: In frühchristlicher Zeit glaubte man, dass es sich um Garn aus Marias Mantel handle, den sie bei ihrer Himmelfahrt getragen habe. Andere Legenden besagen, dass die heilige Maria im Herbst mit zahlreichen Jungfrauen umherzieht und das Land mit Seide überspannt. So wird der Altweibersommer auch Mariensommer, Liebfrauensommer oder Fadensommer genannt. Eine andere Theorie der Namensgebung stammt aus der Zeit, als man das Jahr nur in Sommer und Winter unterteilte. Frühling und Herbst wurden „Weibersommer“ genannt. Später bekam der Frühling den Zusatz „Junger Weibersommer“ – folglich wurde der Herbst zum „Alten Weibersommer“. Doch schlussendlich ist es egal, welchen Namen wir dieser Schönwetterperiode geben – wir sollten sie auf jeden Fall mit allen Sinnen genießen.

Weinreben im Herbst

Der Ausklang des Sommers ist die perfekte Zeit, um die farbenprächtigen Landschaften wandernd zu erleben. Fast scheint es, als habe die Natur sich großzügig aus einem Malkasten bedient, um sich noch einmal von ihrer schönsten Seite zu zeigen.