Füllen Sie flache Saatschalen bis etwa zwei Drittel mit nährstoffarmer Anzuchterde. Größere Samen legt man mit 1–2 Zentimeter Abstand auf der Erde aus. Feines Saatgut, wie das vieler Sommerblumen, mischt man mit etwas Sand, dann lässt es sich gleichmäßiger auf der Fläche ausstreuen. Die Aussaaterde anschließend über das Saatgut sieben. Als Faustregel gilt: Die Schicht sollte etwa doppelt so dick sein wie die Samenkörner. Lichtkeimer wie Fleißige Lieschen und Basilikum gar nicht oder nur hauchdünn bedecken. Die Erde mit einem Stempel oder einem kleinen Brett behutsam andrücken. Zum Angießen eignet sich abgestandenes Leitungswasser am besten. Bei Lichtkeimern statt der Gießkanne eine Sprühflasche verwenden, damit die Samen nicht weggeschwemmt werden. Tipp: Die Gefäße anschließend mit Klarsichtfolie abdecken, damit die Feuchtigkeit nicht gleich wieder verdunstet

Wer jetzt in den aktuellen Saatgutkatalogen blättert oder im Gartencenter an den Regalen mit den bunten Samentütchen vorbeischlendert, ist von den vielen interessanten Neuheiten begeistert. Vielleicht hat Ihnen auch der Nachbar ein paar Samen seiner prachtvollen Zinnien oder üppig fruchtenden Tomaten verehrt oder Sie möchten eine altbewährte, regionale Sorte vor dem Aussterben bewahren? Gründe für die Anzucht am Fensterbrett gibt es genug und für Samengärtner hat die neue Gartensaison bereits begonnen. Eine Vorkultur im zeitigen Frühjahr ist bei vielen Sommerblumen Voraussetzung für einen reichen, lang anhaltenden Blütenflor. Auch wärmeliebende Gemüsearten wie Tomaten oder Paprika müssen vorgezogen werden, wenn sie in unserem Klima schon im Sommer viele Früchte tragen sollen. Und wer die feinen Samen von Kräutern wie Oregano, Salbei oder Thymian einfach ins Gartenbeet streut wird eine herbe Enttäuschung erleben. Bevor Sie jedoch Schalen und Töpfe bereitstellen, sollten Sie prüfen, ob genügend helle Fensterplätze vorhanden sind. Für die Aussaat und auch bei Vereinzeln der jungen Sämlinge verwendet man am besten keimfreie Anzuchterde, denn normale Blumenerde ist viel zu nährstoffreich. Gerade bei Lichtmangel wachsen die Pflanzen dann zu rasch, werden anfällig für Krankheiten und verlieren ihren kompakten Wuchs. Tipp: Statt gekaufter Erde können Sie auch eigenen Reifkompost mit je einem Drittel gesiebter Gartenerde, grobem Sand und Tongranulat mischen. Wichtig: Um eventuell enthaltene Unkrautsamen oder Pilzerreger abzutöten, die Komposterde im Backofen in einem ausgedienten, großen Suppentopf ca. 20 Minuten auf 60 –70 °C erhitzen.

Die meisten Blumen, Gemüse und Küchenkräuter keimen bei normaler Zimmertemperatur (18–21 °C). Kopf- und Pflücksalat liebt es eher kühler. Für die Vorkultur von Tomaten, Paprika, Peperoni oder Auberginen lohnt sich die Anschaffung einer Heizmatte. Bei 22–26 °C keimen die Samen innerhalb von ein bis zwei Wochen; wird diese Temperatur nur wenig unterschritten, entwickeln sich die Pflänzchen zögerlich und ein Teil der Keimlinge kann in der feuchten, kühlen Erde faulen. Gerade Tomaten und andere Pflanzen, die noch bis Mitte Mai im Topf ausharren müssen, benötigen nach dem Pikieren (s. Kasten) eine kleine Düngergabe. Mischen Sie beim Umpflanzen einfach einen halben Teelöffel Hornspäne unter die Anzuchterde. Stattdessen können Sie dem Gießwasser ein wenig organischen Flüssigdünger beimischen – aber erst dann, wenn die Setzlinge Fuß gefasst haben und kräftig austreiben.

Tipp
Pflanzschilder

Pflanzschilder

Pflanzschilder

Umweltfreundliche Pflanzschilder können Sie ganz leicht selbst herstellen. Praktische Mundspatel aus Holz erhalten Sie in jeder Apotheke (s. Serviceteil). Zum Beschriften verwendet man einen weichen Bleistift, dünne Wachsstifte oder Permanentschreiber. Der Vorteil: Die Holzschilder sind erstaunlich preiswert (100 Stück ca. 1,10 Euro), können wie Plastik-Sticker mehrfach verwendet werden, lassen sich aber umweltfreundlich im Kompost oder Kaminofen entsorgen. Auf der Vorderseite die Pflanzenart vermerken, auf der Rückseite ist Platz für Sorte und Aussaatzeitpunkt.

1. Radieschen bilden typische herzförmige Keimblätter. Die Beschriftung empfiehlt sich dennoch, denn die ersten Blätter der eng verwandten Kohlarten und Kohlrabi sehen genauso aus. 2. Ringelblumen und andere Arten, von denen man viele Pflanzen braucht, zieht man am besten in praktischen Multi-Topfplatten mit 3–4 cm großen Einzeltöpfchen. 3. Knollenfenchel bildet nach der Aussaat rasch eine lange Pfahlwurzel. Verwenden Sie möglichst tiefe Anzuchtplatten mit leicht konischen Töpfchen, aus denen sich der Erdballen gut lösen lässt. 4. Schmuckkörbchen (Kosmeen) mögen keine Kälte. Die vorgezogenen Pflänzchen dürfen erst ab Mai ins Blumenbeet umziehen. (Siehe Bildergalerie)

Töpfe zum Auspflanzen aus Zellulose oder Recyclingpappe verrotten mit der Zeit im Beet. Sie haben sich bei der Anzucht von Gurken, Zucchini und Kürbissen bewährt. Mit einem Presszylinder aus Holz können Sie preiswerte Papiertöpfchen herstellen. Ebenso eignen sich aus Torf oder Kokosfasern gepresste Scheiben, die in Wasser eingeweicht werden und dabei aufquellen. An einem hellen, warmen Platz, jedoch nicht in der prallen Sonne und fernab von trockener Heizungsluft, fühlen sich Jungpflanzen besonders wohl. Tongefäße können Wasser und Wärme speichern. Tipp: Quadratische oder rechteckige Formen brauchen weniger Platz als runde Schalen oder Töpfe. Im Zimmer-Gewächshaus herrscht eine höhere Luftfeuchtigkeit – ideal für die Vorkultur von Balkonblumen wie Gazanien oder Tagetes. Ein Tütchen Porreesamen reicht für 140–150 Pflanzen. Säen Sie besser mehrmals im Abstand von etwa 4–6 Wochen aus und ziehen Sie nur so viele Pflänzchen vor, wie später ins Beet passen

Kräftige Jungpflanzen durch Pikieren

Pikieren nennt man das Umpflanzen junger Sämlinge in Einzeltöpfe. Das Umpflanzen regt die Wurzelbildung an und schafft Platz, damit sich Blätter und Stängel kräftig entwickeln können. Der richtige Zeitpunkt ist, sobald nach den rundlichen oder schmalen Keimblättern die ersten Laubblätter („echte Blätter“) erscheinen. Heben Sie die Pflänzchen dabei mit einem Pikierholz oder Bleistift vorsichtig aus der Erde. Wichtig: immer an einem Blatt und nicht am bruchgefährdeten Stängel anfassen. Mit Abstand gedeihen alle Pflanzen besser. Stellen Sie die Töpfe so weit auseinander, dass sich die Blätter beim Weiterwachsen nicht berühren.

Der Umzug ins Freie

Der Umzug ins Freie ist eine kritische Phase für selbst angezogene Jungpflanzen. Auch beim Gärtner gekaufte Setzlinge sind von den Gewächshausklima verwöhnt. Um ihnen den Übergang zu erleichtern, hilft Abhärten. Bringen Sie die Schalen und Töpfe an milden Tagen an einem geschützten Platz, damit sie sich an die Bedingungen im Beet oder Balkonkasten gewöhnen. Eine Auflage aus Gartenvlies bietet Schutz vor zu viel Sonne, kühlen Winden und gleicht Temperaturschwankungen aus. Kohlsetzlinge, Radieschen, Kopfsalat, Porree und Petersilie können Sie ab 12 °C tagsüber nach draußen stellen. Tomaten, Paprika, Peperoni und Gurken bleiben besser noch im Warmen. Auch Basilikum und andere mediterrane Kräuter oder aus wärmeren Regionen stammende Sommerblumen wie Prunkwinde und Schwarzäugige Susanne frösteln bereits, wenn die Temperaturen nur kurzfristig unter 16 °C fallen. Die Folge sind eine Verzögerung der Blütenbildung und Wachstumsstockungen, die sich später kaum noch aufholen lassen. Besser im Zimmer oder Gewächshaus regelmäßig kräftig lüften.