Von Generation zu Generation

Vor Nachtfrost du nicht sicher bist, bevor Sophie vorüber ist“ – wohlklingende Weisheiten wie diese waren einst für die Landbevölkerung überlebenswichtig. Denn das Wetter entschied über eine gute oder schlechte Ernte. Zerstörte zum Beispiel Spätfrost im Frühjahr die
Aussaat, konnte das verheerende Folgen haben. So war der prüfende Blick des Bauern gen Himmel besonders im Frühling ein wiederkehrendes Ritual – stets stand die bange Frage im Mittelpunkt, wie das Wetter wohl werden wird. Die Anzeichen der Natur zu erkennen und richtig zu deuten, war unabdingbar für die Feldarbeit. Da die Landbevölkerung des Lesens und Schreibens nicht mächtig war, wurd das Wissen mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Dies ist auch der Grund, deshalb Bauernregeln meist in Reimform sind – so konnte man sie sich leichter merken.

Im Frühjahr sind besonders die Eisheiligen wichtige Lostage. Sie sind nach Mamertus (11. Mai), Pankratius (12.), Servatius (13.), Bonifatius (14.) und Sophia (15. „die kalte Sophie“) benannt. In dieser Zeit kann es nochmals empfindlich kalt werden: „Pankratius kommt mit Eiskristallen, lässt Reif auf Gras und Blumen fallen.“

Wetter-Weisheiten, tierische Wetterpropheten und Lostage

Mit den Jahren entstand eine Vielzahl an Wetter-Weisheiten unterschiedlicher Art: Auf der einen Seite gibt es Vorhersagen wie „Wenn Wolken und Wind sich grüßend begegnen, fängt’s in Bälde an zu regnen“. Auf der anderen Seite drücken einige Sprüche eher  Empfehlungen aus: „Wenn am Stachelbeerbusch die ersten Blättlein sich entfalten, dann muss der Bauer mit dem Pfluge walten.“ Wieder andere lassen Pflanzen und Tiere als Wetterpropheten auftreten: „Späte Rosen im Garten, der Winter lässt warten.“ Für viele Sprüche spielen Lostage wie die Eisheiligen (11. bis 15. Mai) oder Siebenschläfer (27. Juni) eine wichtige Rolle.

„Schleckt am Abend die Katze sich oft übers Fell, naht schlechtes Wetter nicht so schnell“ – auch das Verhalten der Haustiere lässt Rückschlüsse auf das kommende Wetter zu.

Kalenderreform

Hier gibt es jedoch eine Besonderheit zu beachten, denn durch die Kalenderreform im Jahre 1582, die Papst Gregor XIII. veranlasste, wurden zehn Tage aus dem Kalender gestrichen. Sind die Wetter-Weisheiten also älter als 1582, stimmen die Tage nicht mehr überein und die Bauernregel ist ungenau. Ohnehin haben die gereimten Beobachtungen in Zeiten moderner Wettervorhersagen an Bedeutung verloren.
Dennoch lohnt es sich nach wie vor, die Natur bewusst wahrzunehmen. Vielleicht entdecken wir so ja manchen Zusammenhang zwischen Wind, Wolken und Sonne und können uns fortan einen Reim darauf machen.

Aus welcher Richtung weht der Wind? Daraus lassen sich ebenfalls Rückschlüsse auf das Wetter schließen: „Dreht mehrmals sich der Wetterhahn, so zeigt er Sturm und Regen an.“