Der Garten als Lebensraum für Insekten

Ohne viel Mühe können wir unseren Garten nicht nur zu einer Wohlfühl-Oase für uns selbst, sondern auch zu einem wertvollen Lebensraum für eine Vielzahl an Wildtieren gestalten. Dabei rückt in jüngster Zeit eine große Tiergruppe in den Fokus, die lange Zeit eher vernachlässigt wurde: die Insekten. Ihr Rückgang ist in den vergangenen Jahren augenfällig und wie problematisch das ist, zeigt sich vor allem an den Bienen: Sie sind unsere wichtigsten Bestäuber für die meisten Nutzpflanzen sowohl im Garten als auch in der Landwirtschaft. Unschätzbare Dienste leisten sie bei der Befruchtung vieler Obst- und Gemüsearten sowie Kräuter, indem sie auf der Suche nach energiereichem Nektar in die Blüten krabbeln und in ihrem Haarkleid reichlich Pollen zur Narbe der nächsten Blüte weitertragen. Ganz nebenbei spielen sie auch eine wesentliche Rolle bei der Vermehrung unserer Zierpflanzen.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, wenn es um die waagerechte Unterbringung hohler Halme im Garten geht. Wichtig ist, dass diese vor Nässe geschützt sowie frei von Rissen und scharfkantigen Fasern sind. Wildbienen legen in die Röhren hintereinander mehrere Eier mit Pollen als Nahrungsvorrat ab. Jede Zelle sowie das vordere Halmende verschließen sie mit Lehm. Sogar in Schneckenhäusern verstecken einige Mauerbienen ihre Brut. Die Öffnungen blockieren sie mit Steinchen, Erde und Holzstückchen.

Insektenhotel

Sogenannte Insektenhotels sind keine dauerhaften Behausungen, sondern willkommene Brutstätten für diverse Insekten. Um sie für möglichst viele Wildbienen zu sicheren Kinderstuben zu machen, empfiehlt sich folgender Aufbau:

Erdgeschoss: Stapel aus morschem Holz und Reisig, in das Holzbienen ihre Nester nagen.

1. Etage: hohle Schilf- oder Bambushalme, waagerecht in Lochziegel gesteckt und von hinten mit Lehm, Gips oder Wachs verschlossen. Rindenstücke am Rand als Zufluchtsfür andere Insekten.

2. Etage: Blöcke aus Hartholz wie Buche oder Eiche, mit 5–10 cm langen Löchern unterschiedlicher Durchmesser (2–10 mm). Wichtig: stets ins Längsholz bohren! Im Stirnholz (mit kreisförmiger Maserung) bilden sich schnell Risse, in die Nässe und Parasiten eindringen.

Dachboden: auf Länge geschnittene Schilf- oder Bambusrohr-Bündel, dicht gepackt in hinten verschlossenen Dosen. Seitlich Laub als Versteck für andere Insekten. Der Dachvorsprung schützt vor Nässe.

Links des Hauses: Steinhaufen, der Harzbienen zum Nestbau und anderen Kleintieren als Unterschlupf dient.

Rechterhand: markhaltige, dürre Ruten von Hecken-Rose, Him- oder Brombeere, in die einige Maskenbienen-Arten ihre Brut legen. Die locker gebündelten Zweige sollten sonnig und im Gegensatz zu hohlen Halmen schräg aufrecht stehen!

Übringens: Angst vor dem Stechen ist bei den meisten friedfertigen Wildbienen unbegründet. Lediglich die Stachel großer Arten wie der Hummeln können uns unangenehm werden, wenn wir sie in Nähe ihres Erdnests stören

Rund 560 verschiedene Bienenarten

Wir haben also durchaus einen persönlichen Vorteil, wenn wir die Bienen in unseren Garten locken. Damit dies nachhaltig gelingt, sollten wir ihnen zweierlei bieten: eine Fülle guter Nektar- und Pollenpflanzen sowie diverse Nistmöglichkeiten. Es geht nämlich nicht allein um die Honigbiene, die von Imkern in speziellen Behausungen (Bienenstöcken) gehalten wird. Noch viel wichtiger ist die große Vielfalt an Wildbienen und -hummeln. Etwa 560 Arten kommen in Deutschland vor und sie unterscheiden sich nicht nur äußerlich, sondern auch in der Wahl ihres Nistplatzes. Etwa drei Viertel davon, beispielsweise Sand- und Furchenbienen, gehören zu den Bodenbrütern. Oftmals reicht ihnen schon ein unbefestigter Trampelpfad oder ein Fleckchen mit offenem Boden, der nicht gedüngt, gemulcht oder bepflanzt wird, um kleine unterirdische Gänge für die Aufzucht ihres Nachwuchses bauen zu können. Ebenfalls angenommen werden stellenweise offen gehaltene Böschungen oder Teichufer sowie die Lücken in Trockenmauern. Ein anderer Teil der Wildinsekten wie Mauer- oder Maskenbienen brütet in Totholz sowie in hohlen oder markhaltigen Pflanzentrieben. Ihnen können wir auf einfache Weise Nisthilfen in Form von Holzblöcken oder Pflanzenhalmen bereitstellen, wobei jedoch einige Details zu beachten sind. Um den Bienen in Nähe ihrer „Kinderstuben“ genügend Nahrung zur Verfügung zu stellen, sollten wir ihnen ein üppiges Angebot an guten Nektar- und Pollenpflanzen vom zeitigen Frühjahr bis zum Herbst bieten. Hierzu tragen vor allem heimische Wildkräuter und -gehölze bei.

Die Gartenhummel bildet wie alle Hummeln ganze Staaten aus (siehe Zeichnung unten) und braucht entsprechend große Nistplätze. Sie besiedelt unterirdische und oberirdische Hohlräume aller Art, also auch Vogelhäuschen oder Nischen in Gebäuden.

Die verschiedenen Kinderstuben der Wildbienen

Wildbienen sind wahre Nestbau-Spezialisten. Die Zeichnung zeigt beispielhaft unterschiedliche Brutstätten und dazugehörige weibliche Tiere (etwas vergrößert dargestellt):

A In Totholz befinden sich reichlich Insekten-Fraßgänge, hier hat sich eine Rostrote Mauerbiene eingenistet.

B Natursteine sowie Baumstämme dienen der Kleinen Harzbiene als Basis für ihre Brutzellen, die sie grüppchenweise aus Harz baut. Die Röhren am unteren Ende versorgen die Larven mit Luft.

C Kantige Nischen in Felsen oder Trockenmauern nutzt die Matte Natternkopf-Mauerbiene für ihre Nester aus zusammengekitteten Steinen.

D Erdnester mit mehreren Brutzellen gräbt sich die Weiden-Sandbiene selbst in offenen Boden.

E Unterirdische Höhlen wie verlassene Mäusenester sind ideal für Erdhummeln. Hierin baut die Königin gemeinsam mit Arbeiterinnen aus Wachs Dutzende Zellen für den Nachwuchs

Blumen für Bienen

Doch auch zahlreiche Zierpflanzen von den frühen Zwiebelblümchen über Beetstauden bis hin zu Blütensträuchern und Rosen sind geeignete Trachtpflanzen. Vereinfacht gesagt sind sie für Bienen umso wertvoller, je enger sie mit ursprünglichen Wildpflanzen verwandt und je geringer die Blüten gefüllt sind, da sie dann über reichlich Pollen und Nektar verfügen. Die größte Chance auf großflächige Blütenvielfalt bieten Blumenwiesen anstelle des englischen Rasens. Dauerhaft artenreiche Flächen zu schaffen, gelingt jedoch oft erst, wenn man die oberste, nährstoffreiche Bodenschicht entfernt und Sand oder Kies in den Untergrund einarbeitet. In jedem Fall ist es wichtig, standortgerechte Wiesenmischungen einzusäen, um über viele Jahre Freude an einem bunten Blütenmix zu haben. Einfacher umzusetzen sind sonnige Beete mit einjährigen Blumenmischungen, die nach der Aussaat im Frühjahr rasch heranwachsen und in der folgenden Saison in der Regel durch etwas Neues ersetzt werden müssen. Den Bienen kommt es indes sogar zugute, wenn wir nicht überall gärtnerischen Eifer an den Tag legen und die eine oder andere Ecke ungenutzt lassen. Dort finden sie eher ungestörte Nistmöglichkeiten, um die nächste Generation an emsigen Bestäubern hervorzubringen.

Rosen mit ungefüllten Blüten sind echte Bienenfreunde: wie diese Kombination aus roter Essig-Rose ‘Scharlachglut’ und weißer Vielblütiger Rose (Rosa multiflora).

Attraktive Nektar- und Pollenspender – rund ums Jahr

Im Gegensatz zu Honigbienen sind Wildbienen auch bei kühlem Klima aktiv, Hummelköniginnen sogar bei Temperaturen knapp unter 0 °C. Mit folgenden Beetpflanzen sorgen Sie für ein  lückenloses Nektar- und Pollenangebot nahezu rund ums Jahr:

Christrosen eröffnen den Reigen bereits mitten im Winter, je nach Witterung sogar schon in der Adventszeit. Wenn sie gegen Ende Februar verblühen, begleitet ihr schönes Blattwerk die  Frühlings-Krokusse, die in vielen Farbvariationen von Februar bis März erscheinen. Die Schleifenblume bildet am Beetrand oder im Steingarten wintergrüne Kissen, ihr weißer Flor zeigt sich im April/Mai. Türkischer Mohn schließt sich von Mai bis Juni an. Da sein Laub nach dem Verblühen einzieht, pflanzt man ihn am besten zwischen gute Bodendecker wie den Blut-Storchschnabel. Die robuste Wildstaude blüht von Juni bis August. Somit überschneidet sie sich mit der Sonnenbraut, die als Prachtstaude im sonnigen Beet vor allem zwischen Juli und September kräftig Farbe bekennt. Hohe Fetthennen zeigen ihre Blütenschirme ebenfalls schon im Hochsommer, so richtig zur Geltung kommen sie aber im September/Oktober, ebenso wie Herbst-Astern (niedrige Kissen- sowie hohe Raublatt- und Glattblatt-Astern)

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