Die ersten Feld-, Wald- und Wiesenkräuter des Jahres wurden schon von unseren Vorfahren sehnlichst erwartet und dienten nach der entbehrungsreichen Winterzeit als willkommene Bereicherung des Speisezettels. Nebenbei unterstützten sie mit ihren kraftvollen, gesunden Inhaltstoffen die Ausscheidungsorgane, brachten den wintermüden Organismus in Schwung und erleichterten so den Übergang in die neue Jahreszeit. Daran hat sich bis heute nichts geändert, denn die grünen Kraftpakete stehen uns nach wie vor in reicher Auswahl zur Verfügung: im eigenen Garten, auf der Wiese, im Wald, also überall dort, wo Wildkräuter noch eine Chance zum Überleben haben. Ursel Bühring, die Leiterin der Freiburger Heilpflanzenschule hat für „Mein schönes Land“ ein mehrwöchiges Kräuter-Kurprogramm zusammengestellt, begleitet von einer Basen-Kur zur Entsäuerung des Körpers.

Wie kommt es zu einer Übersäuerung und warum ist es sinnvoll, die Wildkräuterkur mit einer Basenkur zu verbinden?

URSEL BÜHRING: Unsere Körperflüssigkeiten – Blut, Magensäure, auch die Darmschleimhaut – haben einen bestimmten pH-Wert. Diese Werte unterscheiden sich erheblich voneinander, und das ist gut so, denn nur so können Säuren transportiert und ausgeschieden werden. Im Normalfall spricht man von einem ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt. Kommt es jedoch durch ungesunde Ernährung, Stress, Alkohol, Nikotin, mangelnde oder übertriebene Bewegung zu vermehrter Säurebildung, muss diese durch basische Nahrungsmittel ausgeglichen werden (zur Info: von Säure spricht man bei einem pH-Wert von 1 bis 6,9; ein pH-Wert von 7 gilt als neutral und Werte von 7,1 bis 14 bezeichnet man als basisch).

Wie macht sich eine Übersäuerung bemerkbar?

URSEL BÜHRING: Viele denken dabei an Sodbrennen. Aber das ist nur eine von vielen möglichen Auswirkungen. Häufige Symptome für eine Übersäuerung sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kopfschmerzen, Rücken- und Hautprobleme. Eine chronische Übersäuerung kann aber auch Arthritis, Arthrose, Bluthochdruck, Nieren- und Galleleiden zur Folge haben.

Auf welche Weise werden die überschüssigen Säuren neutralisiert und welche Rolle spielen dabei Kräuter?

URSEL BÜHRING: Mithilfe von basenreichen Nahrungsmitteln wie zum Beispiel grünem Gemüse, Kartoffeln, Salat, Sprossen, Pilzen, Kürbiskernen, Mandeln, vielen Obstarten und natürlich Kräutern. Wild- und Gartenkräuter besitzen viele Mineralstoffe und Spurenelemente, wobei Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen bei der Neutralisierung überschüssiger Säuren eine wichtige Rolle spielen. Bekommt der Körper mit der täglichen Nahrung nicht in ausreichendem Maße Basen geliefert, werden auf die Dauer die körpereigenen Mineralstoff-Depots angegriffen: Knochen, Knorpeln, Sehnen, Zähne und Haare.

Sind Wildkräuter vor allem ihrer Mineralstoffe wegen ideal für eine Entschlackungskur?

URSEL BÜHRING: Ja, aber nicht ausschließlich.Wildkräuter besitzen neben ihrem hohen Gehalt an Mineralien und Spurenelementen wertvolle ätherische Öle, Vitamine, Senföle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Farbstoffe (Flavonoide), Seifenstoffe (Saponine), Schleimstoffe, Salizin, den Ausgangsstoff des bekannten Aspirins, und vieles mehr. Kurzum eine überaus effiziente Mischung gesunder und heilkräftiger Substanzen. Von einem „Frühjahrsputz“ mit Wildkräutern und basischen Getränken profitieren besonders Leber, Galle, Darm, Niere, Blase, die Haut und der Bewegungsapparat. Durch die Anregung der Entgiftungsorgane werden die im Bindegewebe abgelagerten Stoffwechsel-Endprodukte (auch Schlacken genannt) mobilisiert und vermehrt ausgeschieden. Das verbessert das Säure-Basen-Verhältnis und die Vitalität – nach einigen Wochen fühlt man sich wie neugeboren.

Wie sind Ihre Empfehlungen für eine mehrwöchige Frühjahrskur?

URSEL BÜHRING: Stellen Sie Ihr Kurprogramm auf drei Säulen:

1. Teemischungen und basenreiche Getränke

Trinken Sie etwa 6 Wochen lang täglich eine WildkräuterTeemischung. Dazu täglich stark verdünnte Saftschorle (ohne Kohlensäure) oder dünne Brennnesselbrühe. Durch diese „Neutralflüssigkeit“ wird die Niere unterstützt. Für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt bereiten Sie 3–6 Wochen lang regelmäßig (täglich oder 2x die Woche) „Kükaleiwa“, einen basenreichen Gemüsetrank aus Kartoffeln, Kümmel, Leinsamen und Wasser zu.

2. Frischpflanzensäfte

Dadurch stellen Sie Ihrem Organismus das komplette Wirkungsspektrum der Kräuter in seiner natürlichsten Form zur Verfügung. Diese Säfte schmecken ausgesprochen lecker, wenn man sie selbst herstellt und mit Obstsorten seiner Wahl kombiniert.

3. Wildkräutergerichte

Sie ergänzen die Kur aufs Köstlichste, denn Wildkräuter sind vitalstoff- und aromareich und eröffnen eine ganz neue Dimension gesunden Genießens.