Das Rheingau-Gebiet

Beim Rheingau handelt es sich zunächst einmal um eine Landschaft. Hinter Mainz knickt der große Fluss nach Westen ab, strömt knapp 30 Kilometer geradeaus, um dann bei Bingen abermals scharf nach Norden abzuschwenken – ins Obere Mittelrheintal. Alles, was auf dieser Strecke rechtsrheinisch liegt, gehört zum Rheingau, den am nördlichen Rand die Taunushöhen begrenzen. Der Rheingau ist aber nicht nur eine Landschaft, sondern auch ein Sehnsuchtsort, aufgeladen mit Geschichte, Genuss und Romantik.

Die Historie des Rheingaus

Die Anfänge von Genuss und Geschichte gehören derweil im Rheingau zusammen: Schon die Kelten, das ist heute bekannt, schätzten in den letzten Jahrhunderten vor Christi Geburt beispielsweise die heißen Quellen von Wiesbaden. Kurz vor der Zeitenwende kamen die Römer an den Rhein, setzten über und etablierten den Weinbau. An den Hängen des Rheingaus dominieren die Südlagen, dazu der kühlende Strom – beste Bedingungen für den Riesling. „Rebenstrand“ nannte viel später der Dichter Robert Reinick (1805–1852) die vom Fluss aufsteigende Landschaft. Sehr treffend ist das formuliert: Der Wein, die römisch-mediterrane Lebensart und die idyllischen Uferpromenaden erzeugen immerzu eine Art Feriengefühl. Auf die Römer und die Völkerwanderungen folgten die Franken, bevor diese im Jahr 983 den Rheingau den Erzbischöfen von Mainz übertrugen. Gut hundert Jahre später begann das nahe Erzbistum, den Rheingau mit Klöstern zu „sichern“, Johannisberg und Eberbach hießen die ersten, denen weitere folgten, bis in die Gegenwart verfügt die Region über eine beachtliche Zahl prosperierender klösterlicher Gemeinschaften. Die Abtei St. Hildegard bei Rüdesheim zählt dazu oder das Kloster Marienthal bei Geisenheim. Einige davon widmen sich bereits seit Jahrhunderten dem Weinbau und trugen auf diese Weise zur Bewahrung der regionalen Kulturlandschaft bei. Im Zuge der Säkularisation verlor das Erzbistum Mainz zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Rheingau dann an das Herzogtum Nassau, etwas mehr als 60 Jahre später wurde er preußisch. Kurz darauf, im Jahr 1872, rief man die Königlich-Preußische Lehranstalt für Obst- und Weinbau in Geisenheim ins Leben, wo 1882 der Schweizer Hermann Müller aus Riesling und Gutedel eine neue Rebsorte züchtete: den Müller-Thurgau.

Idyllischer Ort Assmannshausen

Auf dem Bild sieht man den Blick auf Assmannshausen von der linken Rheinseite. Im Vordergrund ist die Burg Rheinstein aus dem 14. Jahrhundert zu sehen. Assmannshausen steht stellvertretend für viele Gemeinden und kleine Städte am Rheinufer: Typisch sind die uralten Fachwerkhäuser und die engen Gassen, von denen die Weinstuben und Winzerhöfe abgehen.

Weinberge im Rheingau

Die Abendsonne lässt die Rebberge der Region regelrecht leuchten. Direkt am Rhein liegt Lorch mit der Ruine Nollig am Hang darüber, die Befestigung diente zur Verteidigung des Städtchens im Mittelalter.

Prächtige Weintrauben

Die reifen Trauben signalisieren: Jetzt beginnt die Erntezeit. Obwohl der Wein aus dem Rheingau weltberühmt ist, kommt er doch aus einem verhältnismäßig kleinen Anbaugebiet. Im Bundesvergleich liegt es an achter Stelle, das gegenüberliegende Rheinhessen, der deutsche Rebflächen-Spitzenreiter, ist fast neunmal so groß.

Weinernte im Rheingau

Die Weinlese beginnt traditionell Ende September und dauert bis in den Oktober. 

Das regionale Weinmuseum in der Brömserburg in Rüdesheim zeigt unter anderem die Geschichte der Wein-Herstellung und eine sehenswerte Weinglas-Sammlung. Früher bewohnte die einflussreiche Familie Brömser die mehr als tausend Jahre alte Burg.

Gondelfahrt über die Weinberge

Mit der Gondel über den Reben: Die Seilbahn verbindet Rüdesheim mit dem Niederwalddenkmal oberhalb der Stadt. Das prächtige Monument erinnert an den deutsch-französischen Krieg von 1870/71.

Kloster Eberbach

Das Kloster Eberbach ist eines der ältesten des an Klostern keinesfalls armen Rheingaus. Es entstand im frühen 12. Jahrhundert. Heute dient die mittelalterliche Anlage als Weingut, Hotel, Restaurant und Veranstaltungsort. Besonders begehrt sind die Tickets für die Kloster-Konzerte während des Rheingau-Musik-Festivals, das jeden Sommer an zahlreichen Spielorten in der gesamten Region stattfindet.

Weinkeller im Kloster Eberbach

Im Weinkeller des Klosters Eberbach lagern flüssige Schätze aus den vergangenen Jahrhunderten. Bis heute bewirtschaftet das Weingut 220 Hektar Rebflächen in der gesamten Region.

Die Abtei St. Hildegard

Die Abtei St. Hildegard ragt bei Rüdesheim aus den Reben. Gegründet wurde sie 1165 von Hildegard von Bingen persönlich – gewissermaßen als „Zweigstelle“ ihres Klosters auf der gegenüberliegenden Rheinseite. Neben dem Weinbau spielt in dem Kloster die Buchbinderei eine große Rolle, in der Restaurationswerkstatt wird unter anderem theologische Literatur erhalten.

Romantischer Rheingau

„Eine ganze Welt im Winzigen, das können sie hier besonders gut“, urteilte vor wenigen Jahren die Schriftstellerin Eva Demski in ihrem Buch „Rheingau“. Vielleicht liegt es daran, dass die Region eben die ganze Welt auf verhältnismäßig kleinem Raum zu beglücken vermag: mit Wein und einer malerischen Landschaft, die mittlerweile auf der ganzen Welt als typisch deutsch gilt. Immerhin zählt auch ein beträchtlicher Teil des Rheingaus zum UNESCO-Weltkulturerbe „Oberes Mittelrheintal“, das sich nordwärts bis nach Koblenz erstreckt. Dieser trubeligen Romantik, die ihren Höhepunkt in der knallbunten Rüdesheimer Drosselgasse findet, steht eine fast schon überraschende Ruhe gegenüber. Man findet sie auf der Höhe, im Wald, der mit dem Taunus beginnt: „So still und romantisch und moosbedeckt, wie nur Dichter ihn hätten beschreiben können“, meint Eva Demski. Schon wieder die Dichter! Sie gehören zum Rheingau wie die Klöster, die Romantik und der Riesling. Besonders gut gelingt dieser übrigens den Allendorfs und Schönlebers in Winkel, mit ihren 70 Hektar Rebfläche stellen sie das größte Familienweingut in der Region dar. Drei Generationen wirtschaften auf dem Hof, auf dem vom „Zechwein“ bis zum „Großen Gewächs“ alles entsteht. „Stück“, so erklärt Christel Schönleber (eine geborene Allendorf) im Weinkeller, heißen im Rheingau die 1200- Liter-Eichenfässer, darin reift der von Brentano besungene „edle Wein“. Denn hier schließt sich der Kreis aus Weinbau und Dichtkunst: Die Familie Allendorf betreibt die frisch renovierte Wirtschaft im Winkler Brentanohaus. „Im Rheingau haben wir einen goldenen Oktober“, meint Christel Schönleber. Es bleibt also noch genügend Zeit – für ein Glas Riesling unter dem Fenster, aus dem schon Goethe auf den Rhein blickte. Oder eine unvergessliche Wanderung durch die Reben am „Strand“ oberhalb des großen Stroms.

Malerisches Rheinufer

Am Rheinufer bei Geisenheim geht die Sonne unter. Bei einem Anblick wie diesem kann man auch heute noch verstehen, warum die Dichter der Romantik ihr Herz an diese Landschaft verloren.

Ausblick über Lorchhausen

Lorchhausen bildet den nordwestlichen Abschluss des Rheingaus. Topografisch deutet sich hier schon das Obere Mittelrheintal mit seinen steilen Uferhängen an.

Wanderwege im Rheingau

Zahlreiche Wanderwege schlängeln sich durch die Region: unter anderem der Rheinhöhenweg, der Rheingauer Rieslingpfad sowie der Rheinsteig, der in Wiesbaden beginnt und bis nach Bonn führt.

Die Ortschaft Östrich-Winkel

Der Wein-Verladekran von Oestrich-Winkel stammt aus dem Jahr 1745 und stellt mittlerweile das Wahrzeichen des Städtchens dar. Früher wurden hier die Weinfässer zum Beispiel des Klosters Eberbach auf Schiffe gehievt, die den Rheinwein anschließend in die ganze Welt transportierten.

Weinklause Schamari-Mühle

Idyllisch zwischen Rebhängen liegt das Weingut Schamari-Mühle bei Johannisberg. Der Gutsausschank mit den ausgezeichneten Weinen des Hauses (unter anderem Riesling, Chardonnay und Spätburgunder) lockt die Genießer.

Spezialitäten im Rheingau

  • Der Zwiebelkuchen ist der klassische Begleiter zum „Federweißen“, so heißt hier der neue Wein. Beides genießt man besonders in den Tagen der Weinlese (Bild 1).
  • Das malerische Wispertal begrenzt die Region im Nordwesten, von dort kommt die „Wisperforelle“, die auf keiner Speisekarte im Rheingau fehlen darf (Bild 2).

Die schönsten Ausflugsziele im Rheingau

  • Brentanohaus Am Lindenplatz 2, 65375 Oestrich-Winkel, Tel. 0 67 23/20 68, www.brentano.de
  • Weingut Fritz Allendorf Kirchstr. 69, 65375 Oestrich-Winkel, Tel. 0 67 23/9 18 50, www.allendorf.de
  • Weingut Schamari Mühle Grund 65, 65366 Johannisberg, Tel. 0 67 22/6 45 37, www.schamari.de
  • Abtei St. Hildegard 65385 Rüdesheim am Rhein, Tel. 0 67 22/49 90, www.abtei-st-hildegard.de
  • Kloster Eberbach 65346 Eltville am Rhein, Tel. 0 67 23/9 17 81 00, www.kloster-eberbach.de

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