Essbare Blüten

Waldspaziergänge sind entspannend, erholsam und mitunter ziemlich aufschlussreich. Wer mit den Augen der frühen Jäger und Sammler durch Wald und Flur streift, entdeckt eine Vielzahl an Nahrungs- und Heilmitteln, die unseren Speisezettel bereichern, das Wohlbefinden steigern und kleinere Blessuren heilen können. Die grüne Wald-Apotheke ist zu allen Jahreszeiten bestens bestückt, besonders im Frühling, wenn viele Kräuter blühen und das Laub der Bäume noch frisch grün und saftig ist. Den Blütenreigen eröffnen Schlüsselblume, Taubnessel und Wald-Veilchen, gefolgt von Wald-Sauerklee, Barbarakraut und Bärlauch. Die Blüten sind allesamt essbar und überraschen mit ganz unterschiedlichen Aromen. Allerdings dürfen sie nicht lange lagern, sonst verlieren sie ihre Würze und Heilkräfte. Auch der Sammelzeitpunkt spielt eine Rolle. Ideal sind sonnige Vormittage, wenn der Tau  abgetrocknet ist. Genießer können es kaum erwarten, bis der Schwarze Holunder in voller Blüte steht. Seine weißen Dolden aromatisieren Sirup, Sekt und süße Desserts oder dienen getrocknet als Erkältungstee. Aus den Dolden lässt sich zudem auch eine pflegende Salbe herstellen.

Linde

Die Linde wird besonders in der Erkältungszeit geschätzt. Ein Tee aus frischen oder getrockneten Blüten wirkt schweißtreibend und schleimlösend. Den höchsten Wirkstoffgehalt haben Lindenblüten wenige Tage nach dem Aufblühen.

Taubnesseln

Taubnesseln sind wichtige Nektar- und Pollenpflanzen für Bienen. Die Volksheilkunde nutzt die Blüten bei Frauenbeschwerden und Entzündungen der Atemwege. Frisch über Salate oder Gemüsegerichte gestreut, sind sie eine reizvolle und wohlschmeckende Beigabe.

Bärlauch

Bärlauch kann man auf vielfältige Weise nutzen. Zunächst die Blätter, anschließend die Blüten und später die Samenstände. Wie alle Pflanzenteile, besitzen auch die sternförmigen Blüten ätherische Öle, die sich positiv auf die Verdauung auswirken.

Schlüsselblume

Die Schlüsselblume hat schleimlösende und entwässernde Eigenschaften. Allerdings steht sie unter Naturschutz und darf nicht gepflückt oder ausgegraben werden. Das Primelgewächs (Primula veris) gedeiht aber auch an halbschattiger Stelle im Garten.

Kulinarischer Tipp: Frischkäse-Brot mit Blüten

Vom Waldrand stammen die hübschen Zutaten für die Frischkäse-Brote. Die Blüten von Taubnessel, Gänseblümchen, Bärlauch, Löwenzahn, Wiesen-Schaumkraut und Barbarakraut sind für Augen und Gaumen ein Genuss und überraschen mit ungewohnten Aromen. Außerdem sind sie beim Picknick in freier Natur stets griffbereit.

Schätze des Waldes: Beispiel Wald-Erdbeeren

Wald-Erdbeeren schmecken süßlich und sind voller Vitamine. Wer aufmerksam durch den Wald läuft, entdeckt die süßen Früchte.

Blätter und Rinden

So manchem durstigen Wanderer haben die erfrischend säuerlichen Blätter des Wald-Sauerklees schon geholfen, sein Durstgefühl zu stillen. Die nur wenige Zentimeter hohe, krautige Pflanze mit den hübschen Kleeblättern wächst auf sauren Böden in Laubmisch- und Nadelwäldern. Auch junge Buchenblätter schmecken angenehm säuerlich und können direkt vom Baum, im Wildkräutersalat oder Kräuterquark verzehrt werden. Leider gibt es dieses Angebot nur für kurze Zeit. Sobald das Laub fester wird, verliert es seinen Geschmack. Mehr  Nutzungsmöglichkeiten bietet die Birke: Als harntreibender Tee lindern ihre Blätter Rheuma, Gicht und Stoffwechselerkrankungen. Der im Frühling aus ihren Ästen abgezapfte  Birkensaft gilt als vitalisierender Erfrischungstrunk. Und eine Abkochung der Rinde wird in der Volksheilkunde zur Behandlung hartnäckiger Hautkrankheiten verwendet. Beste Voraussetzungen für eine rasche Wundheilung bietet die Rinde junger Eichentriebe. Ihre Gerbstoffe entziehen Bakterien und Pilzen, die sich auf der Haut oder Schleimhaut angesiedelt haben, den Nährboden. Innerlich wird ein Tee aus Eichenrinde bei Durchfall und Darmerkrankungen empfohlen.

Wald-Sauerklee

Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella) hat angenehm säuerliche Blätter, die man frisch für Kräuterquark, Salate und Soßen verwendet.

Eiche

Die Eiche (Quercus) zählt zu unseren wichtigsten Gerbstoffpflanzen. Für die äußere Anwendung bei Ekzemen oder schlecht heilenden Wunden tränkt man einen Verband mit Tee aus der Eichenrinde.

Buche

Buchen (Fagus sylvatica) haben ebenfalls adstringierende (zusammenziehende) und antibakterielle Wirkstoffe.

Scharbockskraut

Das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) ist eines der ersten verfügbaren Wildkräuter im Frühjahr. Gesammelt werden die scharf-würzigen, Vitamin-C-reichen Blätter vor Blütenbeginn.

Lungenkraut

Das Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) dient in der Volksheilkunde zur Stärkung des Bindegewebes und wird als Heilmittel bei Entzündungen der Atemwege genutzt.

Hänge-Birke

Hänge-Birken (Betula pendula) bieten die ideale Voraussetzung für eine vitalisierende Frühjahrskur. Ihre Blätter verwendet man für Tee und Kräutersäfte.

Efeu

Efeu (Hedera helix) wurde bereits in der Antike verwendet. Erst in der Neuzeit stellte man fest, dass die Früchte giftig sind und auch die Blätter nur in kleinen Mengen verwendet werden sollten. Die Volksmedizin beschränkt sich daher auf äußere Anwendungen und nutzt die durchblutungsfördernde Wirkung der Blätter für die Herstellung von Körperölen gegen Cellulite (Orangenhaut).

Beeren, Nüsse und Früchte

Wer die leckeren, gesunden Früchte des Waldes schätzt, muss sich nicht bis Herbst gedulden. Bereits im Frühsommer locken Wald-Erdbeeren, später Heidelbeeren, Hagebutten, Brombeeren, Holunder und Himbeeren mit aromatischen Früchten, die sich zu Marmelade, Saft, Likör oder Desserts verarbeiten lassen. Die feinen Köstlichkeiten sind nicht nur eine Gaumenfreude, sie leisten mit ihren reichlich vorhandenen Vitaminen, pflanzlichen Farbstoffen, Gerb- und Mineralstoffen auch einen wertvollen Beitrag für unsere Gesundheit. Das gilt ebenso für Haselnüsse und Esskastanien. Als kerngesunde Knabberei oder gehaltvolle Zutat für herbstliche und winterliche Gerichte bieten sie variationsreichen Genuss.

Schlehe

Schlehen (Prunus spinosa) haben entzündungshemmende, harntreibende, fiebersenkende und magenstärkende Substanzen.

Vogelbeere

Vogelbeeren, die Früchte der Eberesche (Sorbus aucuparia), besitzen neben verschiedenen Säuren und Vitamin C Bitter- und Gerbstoffe.

Brombeeren

Brombeeren (Rubus fruticosus) enthalten die Vitamine A, B, C und E. Außerdem reichlich Mineralstoffe und Pflanzenfarbstoffe.

Himbeeren

Himbeeren (Rubus idaeus) bieten neben Fruchtsäuren verschiedene Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.

Weißdorn

Weißdorn (Crataegus laevigata) gilt schon seit dem Altertum als Heilpflanze für altersbedingte Herzbeschwerden. Aus den Beeren und Blättern kann man einen schmackhaften Herzwein zubereiten.

Hagebutten

Hagebutten, die Früchte der Rose, sind reich an Vitamin A, B1, B2 und C. Hagebutten-Pulver lindert nachweislich schmerzhafte Gelenk-Arthrose. Aus den Beeren entsteht auch eine  fruchtige, fein säuerliche Marmelade.

Heidelbeeren

Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus) werden als traditionelles Hausmittel geschätzt. Während die frischen Beeren leicht abführend wirken, lindern sie in getrocknetem Zustand Durchfallerkrankungen.

Haselnüsse

Haselnüsse (Corylus avellana) gelten nicht von ungefähr als Nervennahrung. Ihre pflanzlichen Fette, Vitamine und Mineralstoffe wirken sich positiv auf das Gedächtnis und die Nervenfunktionen aus.

Esskastanien

Esskastanien (Castanea sativa) liefern hochwertiges Eiweiß sowie Mineralstoffe und enthalten im Vergleich zu Nüssen nur wenig Fett.

Nadelbäume

Die frischen, hellgrünen Triebe von Fichten und Tannen sind im Mai schon von Weitem sichtbar. Sie fühlen sich ganz weich an und sind daher eine würzige Zutat für Gewürzmischungen, Kräutersalz und Hustensirup. Wer die Maiwipfel selbst sammeln möchte, sollte sich bei Nadelbäumen etwas auskennen. Während Fichte und Tanne völlig unbedenklich sind, kann der Verzehr von Eiben-Trieben fatale Folgen haben. Das immergrüne Gehölz ist bis auf das rote Fruchtfleisch in allen Teilen giftig. Bei Fichten- und Tannensprossen schätzt man besonders die schleimlösenden, durchblutungsfördernden, keimhemmenden und wundheilenden Eigenschaften. Das gilt auch für das Harz der  Nadelbäume, insbesondere Lärchenharz. Es zählt von jeher zu den kostbarsten Heilmitteln des Waldes und wird auch heute noch für wohlriechende Wundsalben verwendet.

Tannen und Fichten

Die hellgrünen Triebe von Tannen und Fichten, auch Maitriebe genannt, haben ein feines, harziges Aroma und sind eine schmackhafte Zutat für allerlei gesunde Köstlichkeiten. Traditionell verwendet man sie für die Herstellung von Hustensirup. Zum Schutz der Nadelbäume dürfen die Triebe nur mit Genehmigung des Försters oder Waldbesitzers gesammelt werden. Pro Baum nur wenige Sprosse und nie der Mitteltrieb, sonst kommt es zu Wachstumsstörungen.

Lärchen

Lärchen zählen zu den Nadelbäumen, obwohl sie im Herbst ihre Nadeln verlieren. Außergewöhnlich ist auch das Harz der Bäume. Es ist einer der wertvollsten Schätze der grünen Wald-Apotheke und enthält neben ätherischem Öl Harzsäuren, Bernsteinsäuren, Bitter- und Farbstoffe. Daraus lässt sich eine wohltuende Salbe herstellen, die auch bei rheumatischen Beschwerden hilft.

Praxistipp

Beerensammler aufgemerkt

Beerensammler bewegt nach wie vor die Frage nach den Gefahren einer Ansteckung durch die Eier des Fuchsbandwurms. Bislang gibt es aber noch keine Hinweise, dass das  Sammeln von Beeren die Infektionsgefahr erhöht. Die pro Jahr registrierten Fälle bewegen sich bundesweit im zweistelligen Bereich. Wer dennoch ganz sichergehen will, reinigt seine Schätze gründlich und verzehrt sie nicht roh, sondern gekocht. Bei Temperaturen von über 70 °C werden die Wurmeier abgetötet. Weniger hilfreich ist das Einfrieren. Selbst bei 18 Grad minus können die Parasiten wochenlang überleben.

Selbstgemachte Salben, Tees und Naturkosmetik aus der Wald-Apotheke

Hier finden Sie Anleitungen für wohltuende Naturkosmetik und natürliche Medizin aus Blüten, Blättern, Beeren, Nüssen, Früchten und Nadelbäumen.