Unser naturbelassener Küchentisch aus massivem Eichenholz stammt aus der Bauernküche meiner Oma. Er hat schon einige Jahrzehnte und dementsprechend viele Teller, Tassen, Abdrücke und Fettflecken auf dem Buckel, beziehungsweise auf der Platte. Seine letzte Ölung hatte schon vor Urzeiten stattgefunden. Als seine neue Besitzerin habe ich ihm deshalb eine Kur verschrieben: Einen Tag lang schleifen, ölen und polieren.

 

Zunächst wurde er ins Freie gehievt, weil es sich da besser arbeiten lässt. Nachdem er mit einer Bürste aus Naturborsten grob gesäubert wurde, musste er sich dem Schwingschleifer und Schleifpapier mit 60er-Körnung ergeben. Dabei ächzte er auf, diese Art der Beanspruchung war er schließlich nicht gewohnt. Nach und nach verschwanden jedoch seine Fettflecken, die Ränder von Teller und Tassen und auch kleine Unebenheiten. Sein helles Eichenholz kam zum Vorschein. Nach drei Schleifgängen wurde seine Platte mit einem trockenen Tuch poliert. Die helle, ebene Tischplatte strahlte in der Sonne. Sie war bereit für eine Leinöl-Kur. Leinöl deshalb, weil es ein Naturprodukt und geruchsneutral ist und sich besonders gut für unbehandeltes Holz eignet, das häufig mit Lebensmitteln in Berührung kommt. Im Gegensatz zu Olivenöl dringt es gut in die Oberfläche ein und trocknet. Außerdem hat es eine imprägnierende Wirkung und das Holz kann „atmen“.

 

Mit einem kleinen Schwämmchen und einem runden Pinsel trug ich das handelsübliche Leinöl aus dem Supermarkt großflächig und zügig auf der Platte auf. Nach 15 Minuten Einwirkzeit wiederholte ich die Prozedur und wartete wieder. Danach wischte ich die überschüssige Flüssigkeit mit einem fusselfreien Baumwolltuch vorsichtig auf. Der Lappen saugte dabei das Öl auf, welches das Holz nicht mehr annehmen konnte. Insgesamt dauerte es etwa einen Tag, bis der Eichentisch trocken und wieder benutzbar war. Seitdem ist die Tischplatte einige Nuancen dunkler und passt in ihrem neuen Gewand nun wieder zu den Tischbeinen. Übrigens bekam ich auch seine einzige Schublade wieder gängig, indem ich sie mit einer Kerze einrieb.

Nach seiner Kur musste er bald wieder Teller, Tassen und Besteck auf der Platte ertragen – schließlich machen gerade die Gebrauchsspuren seinen Charme aus.

Gut zu wissen:

Geheimtipp

Um dem Tisch hin und wieder etwas Gutes zu tun, genügen schon einige Tröpfchen Bier. Denn Bier verleiht Eichenmöbeln einen frischen Glanz. Dazu muss man die Oberfläche mit dem warmen Gerstensaft abreiben und anschließend mit einem Baumwolltuch nachpolieren. Auch sonst hat der Eichentisch keine großen Ansprüche: Ich wische ihn nebelfeucht und trockne ihn gleich danach ab. Sollen doch einmal etwas hartnäckigere Flecken entfernt werden, sind spezielle Holz-Reiniger ideal. Spülmittel eignen sich nicht, weil sie entfettend wirken und so das Holz austrocknen.