Einjährige Kletterpflanzen: Blütenpracht und Kletterkünstler

Sie sind die Hochleistungssportler unter den Sommerblühern: Innerhalb von nur einer Vegetationsperiode entwickeln einjährige Kletterpflanzen eine enorme Blattmasse und erreichen schon nach wenigen Wochen Wuchshöhen von mehreren Metern. Dazu überzeugen sie mit ihrer Blütenpracht und beanspruchen bei alldem nur wenig Platz. Zu den Klassikern unter den Kletterkünstlern zählt die Duftwicke. Die ursprünglich aus Italien stammende Schönheit begeistert mit einer großen Sortenvielfalt und ist aus keinem Bauerngarten wegzudenken. Nicht minder beliebt sind Kapuzinerkresse und Feuerbohne. Wie die meisten anderen einjährigen Kletterer stammen beide aus Südamerika, von wo sie im 17. Jahrhundert nach Europa kamen. Balkon- und Terrassengärtner schätzen die Schwarzäugige Susanne mit ihren heiteren, leuchtend orangegelben Blüten – oder die prachtvolle Prunkwinde nebst ihrer kleinblütigen Verwandten, der Purpur-Trichterwinde. In Windeseile erklimmen diese Pfosten oder senkrechte Streben und bieten wirkungsvollen Sichtschutz. Obwohl man von „einjährigen“ Kletterpflanzen spricht, finden sich unter ihnen auch Stauden und Halbsträucher, die in ihrer Heimat ausdauernd sind. Da sich eine Überwinterung bei uns nicht lohnen würde, werden jedoch auch diese einjährig kultiviert.

Duftwicken

Duftwicken schmücken mit ihren wohlriechenden Schmetterlingsblüten Zäune, Mauern und Spaliere. Schnell gebaut ist die Pyramide aus Haselnussruten, die man mit waagerechten Schnüren oder einem Stück Maschendraht versieht. Für Kübel eignen sich neben den kletternden auch die niedrigen, buschig wachsenden Sorten. Duftwicken sind gute Schnittblumen, zumal ein regelmäßiger Schnitt die Blütenfülle fördert. Welke Blüten möglichst entfernen. Wer Saatgut fürs kommende Jahr sammeln möchte, lässt lediglich ein paar wenige Samenschoten ausreifen. Für Kübel eignen sich neben den kletternden auch die niedrigen, buschig wachsenden Sorten. Duftwicken sind gute Schnittblumen, zumal ein regelmäßiger Schnitt die Blütenfülle fördert. Welke Blüten möglichst entfernen. Wer Saatgut fürs kommende Jahr sammeln möchte, lässt lediglich ein paar wenige Samenschoten ausreifen.

Prunkwinden

Die Prunkwinde zählt zu den prachtvollsten Kletterkünstlern. Ist der Stab oder das Seil lang genug, erklimmt sie Höhen von drei Metern und mehr. Die blau, rot, rosa oder weiß gefärbten, bis zu zehn Zentimeter breiten Trichterblüten halten zwar nicht sehr lange, dafür öffnen sich täglich neue.

Kapuzinerkresse

Die Kapuzinerkresse stellt leuchtende Blüten und dekorative, fast kreisrunde Blätter zur Schau. Anders als die meisten anderen Kletterer bevorzugt sie eher mageren Boden. Knospen, Blüten und Blätter sind essbar. Beim Kauf auf rankende Sorten der Art Tropaeolum majus achten. Die Kleine Kapuzinerkresse (Tropaeolum minor) wächst flach bis buschig

Sternwinde

Die Sternwinde fasziniert mit ihrem Farbenspiel: Im Blühverlauf wechseln die Einzelbüten ihre Farbe von Orange nach Gelb. Der robuste Schlinger wird rund drei Meter hoch und bietet mit seinem dichten Laub guten Sichtschutz.

Schwarzäugige Susanne

Dem schwarzen Fleck in der Mitte verdankt die Schwarzäugige Susanne ihren Namen. Ihr graziler Wuchs und ihre Blütenfülle machen sie zu einer guten Wahl für die Pflanzung im Kübel. Ideal ist ein sonniger, windgeschützter Standort. Vermeiden Sie zu nasse Erde, da die Pflanze hierauf empfindlich reagiert. Neben den typischen orangegelben Blüten sieht man immer häufiger auch Sorten mit hellgelben, bräunlichen oder weißen Blütenblättern.

Kletterpflanzen benötigen eine Rankhilfe

Damit die Pflanzen in die Höhe wachsen, benötigen sie eine Kletterhilfe. Das können Seile, Drähte, Metallgitter, Weidengeflechte oder nicht zu massive Holzgerüste sein. Welche Varianten sich für die einzelnen Arten eignen, hängt davon ab, welche „Klettertechnik“ sie anwenden. In jedem Fall sollten die Vorrichtungen dem Gewicht der Pflanzen sowie stärkeren Windböen standhalten. Werden sie auf Balkon oder Terrasse gepflanzt, empfehlen sich daher schwere Gefäße aus Terrakotta oder Steingut. Da die meisten Arten kälteempfindlich sind, dürfen sie erst ab Mitte Mai ins Freie. Zu dieser Zeit werden in Gärtnereien vorgezogene Jungpflanzen angeboten, die Auswahl ist jedoch überschaubar. Daher lohnt es sich oft, selbst auszusäen. Damit sollte man bereits im März beginnen, sodass sich bis zum Sommer kräftige Pflanzen entwickeln können. Es hat sich bewährt, vier bis fünf Samen in einen Topf zu stecken und nach dem Aufgehen die drei kräftigsten Pflanzen weiterwachsen zu lassen. Gleich an den endgültigen Standort beziehungsweise in einen großen Kübel sät man Purpur-Trichterwinde (ab April) und Feuerbohne (ab Mitte Mai). Auch Duftwicken können in milden Gegenden direkt ausgesät werden. Die ersten Blüten erscheinen dann allerdings etwas später. Duftwicken sollte man jedes Jahr einen neuen Platz reservieren, um Bodenmüdigkeit und eine entsprechend schlechtere Entwicklung zu vermeiden. In allen Fällen ist es wichtig, den jungen Pflanzen bald nach dem Keimen eine Kletterhilfe zu geben.

Die unterschiedlichen Kletter-Typen

Schlinger oder Winder klettern durch drehende Bewegungen des gesamten Sprosses. Um in die Höhe wachsen zu können, benötigen sie senkrechte Kletterhilfen wie Schnüre, Seile oder nicht zu dicke Stangen. Zu den Schlingern zählen Feuerbohne (Phaseolus coccineus), Prunkwinde (Ipomoea tricolor), Purpur- Trichterwinde (Ipomoea purpurea), Sternwinde (Ipomoea lobata) und Schwarzäugige Susanne (Thunbergia alata). (links im Bild unten)

Rankpflanzen haben spezialisierte Greiforgane entwickelt. Dabei handelt es sich um Umbildungen von Blättern, Sprossen oder auch Wurzeln. Berühren diese Ranken einen Gegenstand, reagieren sie mit einer Krümmung und halten sich auf diese Weise daran fest. Bei den einjährigen Kletterpflanzen kommen vor allem Blatt- und Blattstiel-Ranker vor: Bei den Blatt-Rankern (mittig im Bild unten) sind Teile des Blattes oder ganze Blätter zu Ranken umgebildet. Als Kletterhilfe eignen sich gitter- oder netzartige Strukturen mit quadratischen oder rechteckigen Maschen. Zu diesem Kletter-Typ zählen beispielsweise Duftwicke (Lathyrus odoratus), Schönranke (Eccremocarpus scaber) und Glockenrebe (Cobaea scandens). Blattstiel-Ranker (rechts im Bild unten) umgreifen die Kletterhilfe mit ihren Blattstielen. Ideal sind auch hier gitter- oder netzartige Vorrichtungen. Der bekannteste Vertreter dieses Typs ist die Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus).

 

Haselnuss-Stangen als Rankhilfe

An den hohen Bogen aus zusammengebundenen Haselnuss-Stangen finden hier Duftwicken und Feuerbohnen Halt. Wicken zusätzlich mit Schnur aufbinden oder dünne Querstreben zwischen den Stangen einziehen.

Drahtzaun als Rankhilfe

Am Drahtzaun findet die Duftwicke ohne weitere Hilfe den Weg nach oben. Gut zu sehen sind die fadenartigen Ranken, mit der sich die Pflanze festhält.

Weidenkorb selber flechten

Im selbst geflochtenen Weidenkorb wachsen Prunkwinde und Purpur-Trichterwinde nicht in die Höhe, sondern dürfen sich kreuz und quer ausbreiten.

Weidenkorb selber flechten: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Als Bodenplatte dient ein rundes Sperrholzbrett (30 cm Ø), in das in gleichmäßigen Abständen elf Löcher für die senkrechten Ruten (Staken) gebohrt wurden. Pro Loch zwei bis drei Ruten durchführen. Die kurzen Enden auf der Unterseite verflechten. Das Ganze wieder aufrichten und mit Draht einen Reif (55 cm Ø) als Schablone befestigen. Nun die waagrechten Ruten einflechten. Das Flechtwerk immer wieder nach unten drücken, damit es schön dicht wird. Nach etwa 15 cm Höhe je zwei, drei Ruten auf einmal nehmen und locker einflechten. Sobald die gewünschte Höhe erreicht ist, Reif entfernen. Alle Ruten ineinanderschlingen, sodass ein breiter Rand entsteht. Eventuell mit Draht fixieren. Pflanzvlies einlegen, Blumenerde einfüllen und die Jungpflanzen einsetzen. Gut angießen.

Ansprüche der Kletterpflanzen

Bei Schwarzäugiger Susanne und Glockenrebe fördert ein einmaliges Entspitzen der Triebe eine bessere Verzweigung und somit einen dichteren Wuchs. Was den Standort angeht, haben viele Kletterer ähnliche Ansprüche: Die meisten bevorzugen sonnige, möglichst windgeschützte Standorte und lockere, nährstoffreiche Böden. Mit halbschattigen Lagen kommen am besten Kapuzinerkresse, Feuerbohne und Glockenrebe zurecht, wobei Wuchs und Blütenfülle schwächer ausfallen. Pflanzen im Kübel gibt man wöchentlich flüssigen oder wasserlöslichen Dünger ins Gießwasser, da mit Langzeitdüngern die Nährstoffversorgung oft nur unzureichend gedeckt ist. Weniger „hungrig“ ist hingegen die Kapuzinerkresse. Ihre Blühwilligkeit lässt bei hohem Stickstoffgehalt des Bodens sogar deutlich nach. Aufgrund der großen Blattmasse verdunsten Kletterpflanzen tagsüber recht viel Wasser, was regelmäßiges Gießen erforderlich macht. Gegossen wird morgens oder abends, jedoch nur nach Bedarf – Trockenheit wird generell besser vertragen als zu viel Nässe. Ist das Wasser sehr kalkhaltig, empfiehlt es sich, zumindest von Zeit zu Zeit Regenwasser zu verwenden. Berücksichtigt man diese Aspekte, danken es die Pflanzen mit gesundem Wuchs und üppigem Flor bis in den Herbst.

Kletterpflanzen als Sichtschutz

Auf der Terrasse werden Kletterpflanzen vor allem als Sichtschutz eingesetzt. Praktisch: Gefäße mit Rollen, die man bei Bedarf umplatzieren kann.