Hochsommer: Die Haupterntezeit im Gemüsegarten im Überblick

  • Für den Frischverzehr bestimmte Sommergemüse holt man bereits vor der Vollreife in die Küche – gerade Radieschen, Kohlrabi und Erbsen schmecken am besten, bevor sie ihre endgültige Größe erreicht haben.
  • Junge Möhren sind besonders zart und süß, lassen Sie die Wurzeln aber so lange in der Erde, bis sich der Wurzelansatz etwas verdickt und kräftig orange färbt. Erst dann entfalten sie ihr typisches Aroma.
  • Bei Zucchini kann man ab Juli aus dem Vollen schöpfen: Eine Pflanze liefert pro Woche bis zu fünf Früchte. An heißen und schwülen Sommertagen kann es jedoch zu Befruchtungsstörungen kommen. Die Pflanzen setzen zwar weiterhin Blüten und Früchte an, werfen diese aber nach kurzer Zeit ab. Dann hilft nur eines: ein paar langgestielte, männliche Blüten abschneiden, die Blütenblätter entfernen und die Narbe in der Mitte weiblicher Blüten (erkennbar an den kürzeren Stielen und dem Fruchtknoten zwischen Stängel und Blütenboden) mit dem männlichen Blütenstaub betupfen.
  • Bohnen sollten alle zwei bis drei Tage durchgepflückt werden. Anders als Buschbohnen, die nach zwei bis drei Erntegängen die Produktion einstellen, setzen Stangenbohnen laufend neue Hülsen an. Während der Hauptblütezeit benötigen die Kletterer eine oder zwei Düngergaben in Form von Kompost oder Hornspänen.
  • Bei in Kübeln oder Töpfen gezogenem Gemüse reicht der Nährstoffvorrat in der Pflanzerde etwa sechs Wochen. Bei dicken Paprikaschoten und großfrüchtigen Tomaten arbeitet man anschließend alle zwei bis drei Wochen jeweils einen Esslöffel Gemüse- oder Tomatendünger in die Erde ein. Chilis und Kirschtomaten profitieren von wöchentlichen, aber sparsameren Düngergaben. Meist genügt ein Teelöffel pro Topf. Wenn Sie außerdem an warmen Tagen täglich gießen, überschüssiges Wasser aber gleich wieder aus dem Untersetzer entfernen, ist die reiche Ernte garantiert.

Volle Erntekörbe

Die Erntekörbe sind jetzt prall gefüllt. Knackige Möhren, feine Frühkartoffeln, zarte Zucchini und würzige Mairüben kommen jetzt frisch aus dem Beet. Damit der Nachschub nicht abreißt, werden Erntelücken umgehend neu eingesät oder bepflanzt.

Nützliche Blühstreifen

Blühstreifen mit farbenfrohen Ringelblumen und Klatschmohn sind ebenso schön wie nützlich. Sie locken mit ihrem reichen Nektar- und Pollenangebot Blütenbestäuber wie Bienen und Schwebfliegen in den Garten und sichern so den Fruchtansatz bei Bohnen, Tomaten und vielen anderen Gemüsearten. Auch Gegenspieler von Schädlingen, beispielsweise Marienkäfer, finden dort Nahrung und Unterschlupf.

Die Gurken sind reif

Kleinfrüchtige Gurken reifen im Hochsommer beinahe im Tagesrhythmus. Wie bei Zucchini gilt: Je häufiger man pflückt, umso mehr Blüten und Früchte wachsen nach.

Eine Mulchschicht hält den Boden feucht

Eine Mulchschicht aus Stroh hält den Boden gleichmäßig feucht und verhindert Wachstums-Stockungen bei Wurzelgemüse wie Knollensellerie. Wichtig: vor dem Aufbringen einen stickstoffreichen Dünger, beispielsweise Hornspäne, ins Beet einharken.

Tipp: Anhäufeln

Mehrfaches Anhäufeln während der Hauptwachstumszeit fördert die Wurzelbildung. Kopf-Kohl, Grün- und Rosenkohl werden standfester und können mehr Wasser und Nährstoffe aufnehmen.

Nützliches Garten-Utensil

Ein Regenmesser zeigt an, ob ein kurzer Schauer wirklich gereicht hat oder man dennoch gießen sollte. Faustregel: Erst ab einer wöchentlichen Niederschlagsmenge von mindestens 25 Litern/m² (25 mm auf der Mess-Skala) kann man den Gang mit der Gießkanne auch einmal ausfallen lassen.

Richtig gießen

Gießen sollte man nur alle drei bis vier Tage, dabei aber so kräftig wässern, dass der Boden bis in tiefere Schichten gründlich durchfeuchtet wird.

Tipp für Petersilie

Besseres Wachstum bei Petersilie: Das zweijährige Würzkraut keimt im Frühjahr, wenn der Boden noch kalt ist, nur zögerlich. Oft vergilben die Blätter und die Pflanzen kümmern. Sät man erst im August in warme, feuchte Erde, verkürzt sich die Keimdauer auf wenige Tage. Die Pflanzen entwickeln sich rasch und liefern bis zum ersten Frost aromatische Stängel und Blätter für die Küche. Eine Aussaat an halbschattiger Stelle, etwa am Beetrand zu Füßen höherer Kräuter wie Borretsch oder Zitronen-Melisse, wirkt sich ebenfalls günstig aus. Petersilie reagiert empfindlich, wenn sie wiederholt an derselben Stelle ausgesät wird, und darf frühestens nach vier Jahren wieder am selben Platz angebaut werden.

Gemüse-Tipp: Spinat

Spinat entwickelt im Hochsommer nur wenige, oft bittere Blätter und neigt zum Schießen. Sobald die Tage ab Anfang August merklich kürzer werden, können Sie wieder neu aussäen.

Pflegen, säen und pflanzen: Das Wichtigste im Überblick

  • Beim Gemüseanbau im Beet gilt die bewährte Gärtnerregel: „Einmal Hacken erspart dreimal das Gießen.“ Dabei werden die feinen Hohlräume zerstört, durch die im Boden gespeicherte Feuchtigkeit zur Oberfläche aufsteigt und verdunstet.
  • Bei anhaltender Trockenheit muss dennoch gewässert werden. Gießen Sie ein- bis höchstens dreimal pro Woche, dafür aber durchdringend. Als Mindestmenge gelten zwei große Gießkannen, also 25–30 Liter pro Quadratmeter. Der beste Zeitpunkt ist frühmorgens, wenn Boden und Pflanzen noch kühl sind. Gießen Sie stets mit sanftem Strahl, damit das kostbare Nass in die Erde einsickert und nicht oberflächlich abläuft. Bis zum Abend muss die Erdoberfläche wieder trocken sein, sonst können sich Pilzkrankheiten wie Mehltau oder Braunfäule rasch ausbreiten und auch die Schnecken haben leichtes Spiel.
  • Auch wenn man mit Pflege und Ernte jetzt alle Hände voll zu tun hat – wer bis zum Herbst rundum gut versorgt sein will, sollte frei gewordene Beete für die Aussaat oder Pflanzung der Spätgemüse nutzen. Anfang August können Sie noch Feldsalat oder späte Rettiche wie ‘Blauer Herbst und Winter’ aussäen und Eissalat, Endivie, Chinakohl und traditionelle Herbstkohlrabi wie ‘Superschmelz’ auspflanzen.
  • Rote Beten wachsen jetzt langsamer als im Frühjahr, lagern aber mehr Zucker- und Aromastoffe ein. Säen Sie ruhig etwas dichter aus, als auf dem Samenpäckchen angegeben, und dünnen Sie die Reihen aus, sobald die Knollen gerade so groß wie Kirschtomaten sind: Die sogenannten „Baby Beets“ sind köstlich süß, überhaupt nicht erdig und schmecken auch roh geraspelt im Salat.
  • Bis Monatsmitte erfolgt die Aussaat von Eichblattsalat und Senfkohl, es ist Zeit für den letzten Satz Radieschen. Spätestens Ende August müssen auch die Samen von Butterrüben oder Herbstrüben ins Beet.
  • Eine gute Nachricht für Nachzügler: Die Aussaat von Küchenkräutern wie Petersilie, Kerbel und Blattkoriander verspricht jetzt mehr Erfolg als im Frühjahr und die Pflanzen liefern bis in den Spätherbst würzige Blätter für die Küche.
Unser Tipp

So überbrücken Sie die Urlaubszeit

In den Gemüsebeeten den Boden zwischen den Reihen nochmals auflockern, wässern und mit einer Mulchschicht abdecken. Damit in Pflanzkübeln gezogene Tomaten, Auberginen und Paprika Gießpausen besser überstehen, die Gefäße in einer schattigen Gartenecke in die Erde einsenken oder in eine mit wasserspeicherndem, gut durchfeuchtetem Tongranulat gefüllte Wanne setzen. Bei Zucchini und Gurken vor Urlaubsbeginn die Blüten ausbrechen. Darauf legen die Pflanzen eine Pause ein und die Ernte wird um ein bis zwei Wochen verschoben.

Den Garten auf die Ferien vorbereiten

Wildkräuter sollten vor der Arbeitspause sorgfältig entfernt werden, sonst gewinnen Gänsedistel und Löwenzahn rasch die Oberhand. Einjährige Arten wie Franzosenkraut und Ehrenpreis kann man einfach aushacken, Wurzelunkräuter wie Kriechender Hahnenfuß besser von Hand aus der Erde ziehen.

Hilfsbereite Nachbarn sollte man möglichst frühzeitig über eventuelle Vertretungswünsche informieren. Und wer sich bereit erklärt, regelmäßig nach dem Rechten zu schauen, freut sich über den wohlverdienten Anteil an der Ernte.

Ob Sie für einige Zeit verreisen oder nur ein paar Tage im Liegestuhl ausspannen, mit der richtigen Vorbereitung kommt der Garten auch ohne Sie gut über die Runden. Mangold wächst in der Zwischenzeit einfach weiter, auch bei ausdauernden Kräutern wie Salbei kann man den Erntezeitpunkt problemlos verschieben. Gemüse, bei denen die Ernte keinen Aufschub duldet, sind Kohlrabi und Kopfsalat.

Eigenes Saatgut gewinnen

  • Beginnen Sie am besten mit unkomplizierten, vorwiegend selbstfruchtbaren Arten wie Bohnen, Tomaten oder Erbsen. Wählen Sie jeweils ein paar schöne Hülsen und Früchte aus dem ersten Drittel der Ernteperiode aus, schließlich sollen auch die Nachkommen möglichst frühzeitig blühen und fruchten. Wichtig ist ebenso: Sortenreine Pflanzen erzielt man nur mit samenfesten Auslesen.
  • Hybridzüchtungen oder durch neuere, biotechnische Verfahren entstandene Züchtungen sind „Einmalsorten“, die ihre typischen Eigenschaften nicht verlässlich vererben. Doch auch samenfeste Gemüse, Blumen und Kräuter können für Überraschungen sorgen. Durch Fremdbestäubung mit dem Blütenstaub einer anderen, in der Nähe wachsenden Sorte entstehen beispielsweise bei Ringelblumen Varianten mit verschiedenen Blütenfarben oder eine neue Melissen-Sorte mit besonders intensivem Zitronenduft.
  • Speise- und Zierkürbisse kreuzen sich ebenso willig. Dabei können jedoch auch negative Eigenschaften, wie die Bildung der in vielen Zierkürbissen enthaltenen, giftigen Bitterstoffe, übertragen werden. Die Früchte dieser Zufallskreuzungen sind ebenfalls ungenießbar. Doch gerade weil man dabei viel über Pflanzen lernen kann, ist die eigene Saatgutgewinnung so ungemein spannend.

Samen von Ringelblumen

Die Samen von Ringelblumen kann man fast im Vorübergehen ernten. Dafür die Samenstände besonders reich blühender Pflanzen stehen lassen und die sichelartig geringelten, groben Samen mit den Fingern abstreifen, sobald sie sich hellbraun färben.

Bohnen

Bei Bohnen lässt man ein paar der zuerst gebildeten und mit vielen Körnern besetzten Hülsen ausreifen, bis diese völlig trocken sind und bereits brüchig werden. Nach dem Auskernen müssen die Samen an einem luftigen, warmen Ort noch zwei bis drei Wochen nachreifen.

Salat

Bei Salat werden die schönsten Köpfe mit einem Stab markiert. Bitte nie die Schosser, die als erste zu blühen beginnen, für die Samenernte auswählen, sie vererben diese unerwünschte Eigenschaft weiter. Nach dem Verblühen schneidet man die verzweigten Blütenstände mit den verbräunten Samen ab, lässt sie gut nachtrocknen und klopft die Samen über einem Tuch aus. Anschließend Stängelreste absieben und das Saatgut in Tüten abfüllen.

Tomatensamen

Tomatensamen müssen zunächst von anhaftenden Fruchtresten und der glibberigen, keimhemmenden Schutzhülle befreit werden. Dafür die Kerne einer vollreifen Tomate auslösen und in einem Glas mit kaltem Wasser übergießen. Nach ein bis zwei Tagen, sobald die Samen zu Boden sinken und sich nicht mehr glitschig anfühlen, das Wasser abgießen. Die Samen mehrmals durchspülen, bis das Wasser klar bleibt, zum Abtropfen in ein Sieb geben und auf Küchenpapier trocknen lassen.