Heimische Vogelhecken

Bei Fruchtgehölzen denken wir zunächst meist an Apfel, Birne, Kirsche oder andere bewährte Obstpflanzen. Doch es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Bäume und Sträucher, die vor allem für unsere heimischen Singvögel vom Frühsommer bis teilweise weit in den Winter hinein vitaminreiche Früchte bereithalten. Die Rede ist von Wildgehölzen wie Holunder, Kornelkirsche oder Felsenbirne, deren Obst mit Vorliebe von Vögeln verzehrt wird und mitunter auch für uns eine kulinarische Bereicherung darstellt. Vorsicht ist allerdings in Anwesenheit kleiner Kinder bei stark giftigen Früchten geboten, allen voran Pfaffenhütchen, Eibe, Stechpalme, Seidelbast und Kreuzdorn. Für Singvögel sind diese hingegen genießbar.

Auswahl an verschiedenen Sorten

Von etlichen Wildgehölzen wie Gewöhnlichem Schneeball, Feuerdorn, Mahonie oder Eberesche gibt es auch Kultursorten, die unter gärtnerischen Gesichtspunkten gegenüber ihren ursprünglichen Arten verbessert wurden – etwa durch einen kompakteren Wuchs oder einen noch reicheren Blüten- und Fruchtansatz. Vor allem Letzteres kommt nicht nur dem Zierwert der Pflanzen, sondern auch den Vögeln zugute. Es lohnt sich also gleich aus mehreren Gründen, bei Baumschulen mit einem breiten Sortenangebot nach den geeigneten Varianten für den eigenen Garten Ausschau zu halten.

Bunte Vielfalt an Vogelsträuchern

Zur Gattung Sorbus gehören hervorragende Wildfrucht-Gehölze wie Eberesche und Mehlbeere. Noch recht wenig verbreitet sind die hübschen Zierformen der Hupeh-Eberesche (Sorbus hupehensis), die mit weißen oder rosafarbenen Beeren echte Blickfänge bilden.

Zieräpfel sind für Vögel wie die Amsel eine wichtige späte Nahrungsquelle, sie hängen zum Teil bis in den Winter hinein am Baum.

Der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea) liefert Zugvögeln wie dem Haus-Rotschwanz gehaltvolle Früchte, sodass sich jene gut gestärkt Richtung Süden in ihr Winterquartier aufmachen können.

Wildrosen wie Mandarin- und Hecht-Rose (Rosa moyesii u. Rosa glauca) tragen im Herbst reichlich nahrhafte Hagebutten (siehe Bild).

Farbenfrohe Vogelhecke

Beim Feuerdorn hängen die Trauben dicht an dicht über mehrere Monate am Strauch. Die Moönchsgrasmücke weiß es zu schätzen, sie verbringt das Winterhalbjahr aufgrund der Klimaerwärmung immer häufiger in unseren Gefilden.

Die Fruchtgehölz-Hecke aus Pfaffenhütchen, Stechpalme (Ilex aquifolium), Runzeliger Zwergmispel (Cotoneaster bullatus) und einem strauchförmig gezogenen Zierapfel präsentiert sich farbenfroh. Komplettiert wird das Ganze durch die bis Mitte Oktober blühende Grau-Heide in verschiedenfarbigen Sorten (siehe Bild).

Korallen-Ölweide

An der Korallen-Ölweide (Elaeagnus umbellata) reifen die säuerlichen, aber durchaus auch für uns genießbaren Steinfrüchte ab Ende September heran. Werden sie nicht zuvor von Vögeln verspeist, dann bleiben sie bis Winterbeginn an dem bis zu vier Meter hohen, robusten Strauch hängen.

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Gewöhnlicher Schneeball

Die feuerroten Beeren des Gewöhnlichen Schneeballs (Viburnum opulus) werden von 22 heimischen Vogelarten gerne verspeist. Im reifen Zustand sind sie auch für uns genießbar und wurden früher häufig zu Gelee und Marmelade verarbeitet.

Vogelhecken im eigenen Garten

Bei der Verwendung der Fruchtgehölze im Garten bieten sich verschiedene Varianten an: Einige Exemplare wie Ölweide, Mehlbeere, Zieräpfel oder Wildrosen machen bereits als Solisten eine gute Figur. Diese wirken am besten an einem auffälligen Platz in Ihrem grünen Reich, sei es in Einzelstellung im Rasen oder von niedrigen Zierpflanzen begleitet. Gute Möglichkeiten dazu befinden sich im Vorgarten, in Nähe der Terrasse oder in einer gut einsehbaren Grundstücksecke.

Wer entlang der Gartengrenze für Abwechslung sorgen möchte, kann dies anstelle einer Schnitthecke auch mit frei wachsenden Sträuchern tun. Im Gegensatz zur jährlich per Heckenschere gestutzten Version bilden diese deutlich mehr Blüten und Früchte aus und sind daher für die Tierwelt ungleich wertvoller, zudem vermitteln sie ein natürlicheres Flair. Steht ein maximal zwei Meter tiefer Streifen zur Verfügung, dann bieten sich eine Reihe kompakter Gehölze wie Apfelbeere und Mahonie oder kleine Feuerdorn-Sorten wie ‘Teton’ und ‘Soleil d’Or’ an. Deutlich höher und somit auch als Sichtschutz geeignet sind Wildfruchtsträucher wie Gewöhnlicher Schneeball, Pfaffenhütchen und Roter Hartriegel. Sie benötigen allerdings auch wesentlich mehr Fläche (drei bis vier Meter Durchmesser), wenn man nicht zu stark in ihre Wuchsform durch Rückschnitt eingreifen möchte.

Tipps zur Gartengestaltung

Wildfruchtgehölze findet man in Gärten häufig nur einzeln zwischen anderen Zierpflanzen. Dabei lohnt es sich aus optischen Gründen wie auch im Hinblick auf die Vogelwelt, mehrere verschiedene Sträucher in einer Gruppe zu pflanzen. Ungerade Stückzahlen wirken dabei meist natürlicher als gerade, hier stellen wir daher eine Fünfergruppe vor. Sie benötigt etwa 8 x 4 m Platz und eignet sich gut für eine sonnige Ecke oder für eine Gehölzinsel in größerer Wiesenfläche. Höhepunkt der Fruchtsaison ist von Hochsommer bis Herbst. Das bei Vögeln sehr beliebte Kernobst der Felsenbirne ist dann allerdings häufig schon verspeist.

Frucht 1: Die Gewöhnliche Felsenbirne (Amelanchier ovalis) ist ein bis zu 4 m hoher und breiter Strauch mit aufrechtem Wuchs. Seine saftigen Früchte locken schon ab Juni reichlich Singvögel an (siehe Bild 1).

Frucht 2: Die Hecht-Rose (Rosa glauca) ist eine bis zu 3 m hohe Wildrose mit bogig überhängenden Ästen und bläulichgrünen Blättern. Viele Vögel finden in ihr geschützte Nistplätze und im Herbst viele rundliche Hagebutten (siehe Bild 2).

Frucht 3: Die Schwarze Apfelbeere (Aronia melanocarpa) ist ein kleiner, aus Nordamerika stammender Wildstrauch mit vitaminreichen, auch für uns genießbaren Früchten. Die Sorte ‘Viking’ bleibt mit bis zu 1,5 m kompakt und ist besonders fruchtreich (siehe Bild 3).

Frucht 4: Diverse Kultursorten des Feuerdorns (Pyracantha) mit reichem gelbem bis rotem Fruchtbesatz entstanden aus Kreuzungen verschiedener Wildarten. ‘Soleil d’Or’ sticht mit goldgelbem Kernobst und geringer Anfälligkeit für Pilzerkrankungen hervor; bis knapp 2 m hoch.

Frucht 5: Die Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris) ist eine bis 3 m hohe und ebenso breite heimische Art, auch Sauerdorn genannt. Die länglichen Beeren in lockeren Trauben reifen ab September und lassen sich auch zu Wildfrucht-Säften verarbeiten (siehe Bild 4).

Unser Tipp

Sträucher stutzen

Wer Sträucher zurückschneiden möchte, ohne dabei viel Fruchtansatz zu entfernen, kappt gelegentlich alte, ausladende Äste komplett in Bodennähe und überlässt jüngeren Trieben die Blüten- und Fruchtbildung.

Auch gestutzte Hecken tragen Früchte

Zu den wenigen Ausnahmen, die auch in stark gestutzter Heckenform viele Früchte tragen, gehören Stechpalme, Weißdorn und Feuerdorn. Dennoch bietet es sich an, anstelle einer ganzen Reihe gleichartiger Sträucher eine möglichst bunte Auswahl zu pflanzen, denn: Unsere gefiederten Freunde verspeisen nicht alles gleichermaßen gern, jede Singvogel-Art hat ihre Vorlieben.

Wer möglichst viele verschiedene Vögel anlocken möchte, erreicht dies also mit möglichst vielen verschiedenen Fruchtgehölzen. Zudem wird das Obst der Bäume und Sträucher zu unterschiedlichen Jahreszeiten reif, sodass ein abwechslungsreiches Angebot auch eine länger anhaltende Versorgung mit vitaminreicher Nahrung garantiert.

Wintergrüne mit Frucht

Bei den meisten Bäumen und Sträuchern verfärbt sich das Laub während der Fruchtreife und fällt schließlich im Laufe des Herbsts ab. Es gibt jedoch auch einige Gehölze, die ihren nahrhaften Schmuck mit reichlich Grün paaren und auch im Winter noch zumindest einen Großteil ihrer Blätter oder Nadeln behalten.

Die Gewöhnliche Eibe gehört zu den heimischen Nadelgehölzen. Ihre Früchte bzw. Samen sind für Mensch und viele Tiere tödlich giftig, für etwa zwei Dutzend Vogelarten hingegen ein Leckerbissen.

Liguster wird meist für Schnitthecken verwendet. Lässt man ihn zum locker ausladenden Strauch frei wachsen, blüht er rahmweiß und setzt reichlich schwarze Früchte an. Die Sorte ‘Atrovirens’ ist zuverlässiger wintergrün als die Wildart (siehe Bild 1).

Die Mahonie verfärbt ihre dornigen Blätter im Winterhalbjahr zwar purpurrot bis violett-braun, wirft sie aber nur vereinzelt ab. Die fast schwarzen Beeren sind hellblau bereift und lassen sich für Marmeladen und Fruchtweine nutzen (siehe Bild 2).

‘Blue Angel’ ist eine kompakte Stechpalme (bis 150 cm). Für die Bildung der Früchte, die von Oktober bis häufig zum März am Strauch bleiben, braucht die weibliche Sorte ein männliches Pendant, beispielsweise ‘Blue Prince’. Der Strauch hat glänzend grüne Blätter mit violettem Schimmer.

Unsere Empfehlung

Vogelunterschlupf

Hecken und Bäume bieten Vögeln Nahrung. Wer den kleinen Piepmätzen zudem noch einen Unterschlupf in seinem Garten anbieten möchte, kann auf dieses hübsche Modell setzen, das toll in einen ländlich gestalteten Garten passt.