Schaukeln – Spaß und Lernen

Meist sind es nur zwei Seile, die ein Brett halten. Doch oft reicht schon der Anblick dieser einfachen Konstruktion, um in uns den Wunsch zu wecken, selbst durch die Lüfte zu schwingen. Sich vor- und zurückzulehnen, immer höher zu fliegen und diesen Augenblick der Schwerelosigkeit zu erleben, bevor wir am höchsten Punkt wieder zurückfallen und dieses Kribbeln in der Magengegend spüren, das uns unweigerlich lächeln lässt. Es ist diese Mischung aus Unbeschwertheit und Nervenkitzel, welche das Schaukeln so reizvoll macht. Es erinnert uns an vergangene Kindertage, in denen wir scheinbar völlig unerschrocken ausprobierten, wie hoch wir fliegen können oder wie viele Kinder gleichzeitig auf den Sitz passen. Auch musste versucht werden, wie es sich wohl im Stehen oder gar auf dem Bauch liegend schaukeln lässt. Und wer erinnert sich nicht mit Freuden an dieses süße Schwindelgefühl, wenn man die Seile verdrehte, bis es nicht mehr ging und sich dann mit Schwung zurückdrehen ließ. Doch besonders spannend war die Frage, wie weit man von dem schwingenden Brett aus springen kann. Wer traut sich? Wer passt den richtigen Moment ab? So manche Schürfwunde trug man bei dieser Mutprobe davon. Doch das Hin- und Herpendeln ist nicht nur ein launiges Spiel - es trainiert auch das Gleichgewichtsorgan. Dieses sitzt im Innenohr, es wird bei Dreh-, Spring- oder Flugbewegungen besonders beansprucht und sendet elektrische Impulse; unter anderem an die Freude- und Lernzentren des Gehirns.

Schon die Kleinsten fliegen gern durch die Lüfte. Das macht nicht nur Spaß, sondern schult zugleich auch den Gleichgewichtssinn. In einer Gitterschaukel sitzen Kleinkinder sicher.

Die Geschichte des Schaukelns

Kein Wunder also, dass Schaukeln sich so großer Beliebtheit erfreut. Schon in der Antike war es nicht nur ein geschätzter Zeitvertreib, sondern auch eine Form der Körperertüchtigung. Sogar eine rituelle Bedeutung kommt der Schaukel in vielen Kulturen zu. So sind in Estland in den Sommermonaten Riesenschaukeln, sogenannte Kiiks, fester Bestandteil des dörflichen Lebens. Auf ihnen finden nicht selten zehn Personen und mehr Platz. Häufig sind die Vorrichtungen so aufgestellt, dass sie von Osten nach Westen schwingen, denn sie symbolisieren den Lauf der Sonne am Himmel. Auch in der Kunst spielt das nostalgische Spielzeug eine Rolle. Im Rokoko (um 1730 bis 1780) war es Mittelpunkt vieler Darstellungen und wurde besonders im Zusammenhang mit dem höfischen Leben abgebildet.

Die Schaukel Auf meiner Schaukel in die Höh, was kann es Schöneres geben! So hoch, so weit! Die ganze Chaussee und alle Häuser schweben. Weit über die Gärten hoch, juchhe, ich lasse mich fliegen, fliegen; und alles sieht man, Wald und See, ganz anders stehn und liegen ...

Paula und Richard Dehmel

Redewendungen rund um die Schaukel

Viele Sprichwörter haben sich in diesem Zusammenhang fest in unserem Sprachgebrauch etabliert. So sagt man, man werde das Kind schon schaukeln, wenn man sicher ist, eine Sache zu einem guten Ende zu bringen. Andererseits kann ebendiese Sache schnell außer Kontrolle geraten, wenn sie sich hochschaukelt. Auch hier zeigt sich wieder die Mischung aus Unbeschwertheit und Nervenkitzel, welche das Schaukeln zu so einem spannenden und zugleich entspannenden Zeitvertreib macht - nicht nur für Kinder. Wenn wir also das nächste Mal eine Schaukel sehen, sollten wir die Gelegenheit nutzen und uns dem Himmel entgegenschwingen.

Anleitung: Schaukel selber bauen

Die Begeisterung für das Schaukeln ist keine Frage des Alters. Höchste Zeit, ein eigenes Modell in den Garten zu hängen, damit wir uns jederzeit ein bisschen beschwingt fühlen können. Diese Variante ist dazu noch im Handumdrehen fertig - ganz ohne bohren, denn die Seile werden geknotet.

Sie brauchen:

  • ein stabiles Brett (zum Beispiel Fichte),
  • ca. 65 Zentimeter lang und mindestens 2,5 Zentimeter dick,
  • sowie 2 feste Seile - die Länge hängt von der Höhe des Astes bzw. der Aufhängung ab.

So geht's:

  • Messen Sie den Abstand zwischen Ast und der Höhe, auf der die Schaukel später hängen soll. Da die Seile doppelt genommen werden, müssen Sie diesen Wert verdoppeln und mindestens einen Meter für die Verknotung dazurechnen.
  • Der Knoten, den wir verwenden, nennt sich Brettschlaufe. Dazu ermitteln wir zunächst den Mittelpunkt des Seils und legen es an dieser Stelle über das Brett. 2 Nun wickeln wir es mit beiden Enden einmal um das Holzstück. Dabei nicht zu fest anziehen - die erste Schlaufe sollte locker aufliegen.
  • Das Brett ein weiteres Mal umwickeln.
  • Nun sind drei Schlaufen entstanden, die Seilenden zeigen nach unten.
  • Die erste Schlaufe, die der Brettmitte am nächsten ist, etwas lockern, sodass man sie über die beiden außenliegenden Schlaufen bis zur Unterseite des Brettes ziehen kann.
  • Die Seilenden anziehen. Das Gleiche auf der anderen Seite des Holzes wiederholen - fertig. Nun die Schaukel an einem starken Ast oder einer anderen stabilen Aufhängung mit einem Knoten befestigen. Werden die Seile an Metallringen befestigt, bietet sich ein Schifferknoten an