Das katholische Fest mit dem „Licht“ im Namen steht zwar heute noch in jedem Kalender. Seine Bedeutung ist jedoch beinahe in Vergessenheit geraten. Die Ursprünge des Festes gehen auf das 5. Jahrhundert zurück und sind in der Bibel verankert:

Nach einem alttestamentarischen Gesetz galt eine Frau 40 Tage nach der Geburt ihres ersten Sohnes als unrein und musste nach Ablauf dieser Zeit ein Reinigungsopfer darbringen. So auch Maria. Zudem war jeder erstgeborene Sohn Eigentum Gottes. Aus diesem Grund musste auch Jesus im Tempel dargebracht und von den Eltern durch ein Geldopfer ausgelöst werden. Dort begegneten Maria und Joseph den Propheten Simeon und Hanna, die erkannten, dass das Jesuskind der Erlöser und das „Licht der Völker“ war.

Kirchlich gesehen vereinigt das Fest 40 Tage nach Weihnachten also die „Reinigung Marias“ (so der ursprüngliche Name) mit der „Darstellung des Herrn“. Im Volksmund hat sich jedoch „Mariä Lichtmess“ durchgesetzt – was auch in der Lichtsymbolik begründet ist. Seit dem 11. Jahrhundert wurde an diesem Feiertag auch eine Lichterprozession zelebriert. Diese war von heidnischen Ritualen abgeleitet, denn auch in anderen Religionen und Traditionen spielte das Licht zu dieser Jahreszeit eine wichtige Rolle.

Bei den Kelten etwa symbolisierte die brennende Kerze das neu erwachte Leben mit der Feuergöttin Brigid als Beschützerin. Das Symbol des Lichts spiegelte sich auch im Brauch der Kerzenweihe an Lichtmess wider. Früher brachten Gläubige an diesem Tag ihre gesamten Kerzen in die Kirche, um sie weihen und ihnen somit eine besondere Segenskraft zusprechen zu lassen. Zu der Zeit, als es noch kein elektrisches Licht gab, sollten sie das Gebetbuch beleuchten oder als schwarze Wetterkerzen Unwetter abwehren.

Kerzenlicht steht symbolisch für die immer länger werdenden Tage

Ebenso weihte man an diesem Tag die heute nur noch wenig bekannten „Wachsstöcke“. Man bekam die verzierten Wachstäfelchen als Aussteuer sowie zur Hochzeit als Zeichen der Zuneigung geschenkt. Mägde erhielten sie oft als Dank für ihre Arbeitszeit, die offiziell an Lichtmess zu Ende ging. Der 2. Februar war nämlich nicht nur ein kirchlicher Festtag und bis 1912 in Bayern ein gesetzlicher Feiertag, sondern auch für den weltlichen Alltag von Bedeutung. Die bäuerliche Arbeit im Haus endete an diesem Tag, und man begab sich wieder nach draußen, um mit der Feldarbeit zu beginnen. Aus diesem Grund erhielt das Gesinde für das zurückliegende Arbeitsjahr seinen Lohn. Mündlich und per Handschlag verpflichteten sich die Mägde und Knechte für ein weiteres Jahr beim Bauern oder zogen weiter, um eine neue Anstellung zu suchen. Diese Tage nach Lichtmess, der einzige „Urlaub“ für Mägde und Knechte, werden auch „Schlenkeltage“ genannt. „Schlenkeln“ bedeutet so viel wie umherziehen oder müßiggehen und bezeichnete das Suchen der Dienstboten nach einer neuen Arbeit. Da die Bauern ihre Arbeit im Freien bald wieder aufnehmen mussten, diente Lichtmess zudem auch als eine Art Wetter-Ausblick fürs Frühjahr. Zahlreiche Bauernregeln erinnern daran.

Heute hat elektrisches Licht die Kerzen ersetzt, und die Arbeit von Mägden und Knechten übernehmen Maschinen. In der katholischen Kirche ist das Fest aber nach wie vor ein wichtiger Festtag, und vielerorts finden an diesem Tag Lichtmess-Märkte statt. Auch regionale Bräuche sind damit verbunden, deren Herkunft sich heute oft nicht mehr genau nachvollziehen lässt. Ob feierliche Prozession, das Ausbezahlen der Dienstboten oder die regionalen Bräuche – Mariä Lichtmess markiert einen Übergang.Vor allem kündigt das Fest lichtere Tage und damit den Frühling an.

Spinnräder standen ab dem 2. Februar oft still, denn nun kümmerte man sich wieder um die Feldarbeit

Viele Bauernregeln ranken sich seit jeher um Mariä Lichtmess. Im Volksmund heißt es, dass die Bauern eher auf trübes Wetter hofften, da dann der Frühling nicht mehr lange auf sich warten ließe:

„Wenn’s an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit. Ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell.“