Magen- und Darmprobleme behandeln

Erfahrungsgemäß stehen Magen- und Darmprobleme an erster Stelle jener Übel, die einem die Urlaubslaune rasch und gründlich verderben können. Ungewohnte Speisen und Gewürze, Keime im Wasser und auf Nahrungsmitteln, selbst große Zeit- und Temperatur-Unterschiede bringen unsere Verdauungsorgane in eine Schieflage. Gut zu wissen, dass man sich aber sogar in Gegenden, wo weit und breit weder ein Arzt noch eine Apotheke zu finden sind, mit einfachen Heil- und Nahrungsmitteln selbst helfen kann, zumindest bei leichteren Gesundheitsproblemen. Halten die Beschwerden trotz aller Bemühungen länger als drei Tage an, sollte man auf jeden Fall medizinischen Rat und Hilfe holen. Mitunter beginnen die Beschwerden bereits auf der Fahrt in den Urlaubsort, besonders für all jene, die unter Reiseübelkeit leiden.
 

Unser Tipp
Anis, Kümmel und Fenchel

Hausmittel gegen Magenschmerzen

Anis, Kümmel und Fenchel

Mit dem feinen Fenchel-Anis-Kümmel-Tee geht es unserem Magen im Handumdrehen wieder gut.

Ingwer gegen Übelkeit

Glücklicherweise gibt es Ingwer! Zahlreiche Studien bestätigen die Wirksamkeit der aromatischen Pflanze. In ihrem Wurzelstock (Rhizom) befinden sich ätherische Öle und Scharfstoffe, unter anderem Gingerol. Ihm verdankt der Ingwer sein fruchtig-scharfes Aroma. Außerdem blockiert Gingerol im Magen-Darm-Trakt die Rezeptoren der Botenstoffe, die die Übelkeit verursachen. In seiner chemischen Struktur ähnelt Gingerol dem Schmerzmittel Aspirin, was zu einer weiteren Beruhigung der Beschwerden beiträgt.
 

Unser Tipp
Bei Reiseübelkeit: Ingwer-Minze-Tee

Gegen Reiseübelkeit

Bei Reiseübelkeit: Ingwer-Minze-Tee

Der Ingwer-Minze-Tee wirkt wie ein Wunder gegen Reiseübelkeit und lässt uns entspannt jede Reise antreten.

Hausmittel gegen Durchfall

Wie wichtig ein gut funktionierendes Verdauungssystem für unsere Gesundheit ist, spüren wir vor allem dann, wenn die Darmflora gestört ist. Bei einem erwachsenen Menschen siedeln etwa 100 Billionen Bakterien, aber auch Viren und Pilze im Darm. Was wir landläufig als Darmflora bezeichnen, nennen Forscher Mikrobiom.
 

Getrocknete Heidelbeeren gegen Durchfall

Getrocknete Heidelbeeren schützen mit ihren reichlich vorhandenen Gerbstoffen die Darmschleimhaut. Sie reduzieren die Krankheitserreger und verhindern übermäßigen Nährstoff- und Wasserverlust. Empfohlene Tagesmenge: 20–60 g, Kinder 10 g. Achtung: Frische Heidelbeeren bewirken das Gegenteil! Ihre Ballaststoffe regen die Darmtätigkeit an.
 

Geriebene Äpfel gegen Durchfall

Geriebene Äpfel haben sich als sofort wirksames Durchfallmittel seit Generationen bewährt. Der in den Früchten enthaltene Ballaststoff Pektin quillt im Darm auf und verdickt auf natürliche Weise den dünnen Stuhl. Die Äpfel werden samt Schale fein gerieben, dadurch sind sie leichter verdaulich und das Pektin kann die Flüssigkeit besser binden. Wer keine Äpfel mag, greift zu Bananen. Sie besitzen ebenfalls Pektin und verfügen über viel Kalium und Magnesium — ideal, um den Mineralstoffhaushalt auszugleichen.
 

Haferbrei gegen Durchfall

Haferbrei, gewürzt mit einer Mischung aus Zimt, Kurkuma, Koriander und Kardamom, ist rasch zubereitet und magenfreundlich: 250 ml Wasser (keine Milch) und 2 EL Haferflocken in einen Topf geben und bei niedriger Hitze so lange kochen, bis der Brei eingedickt ist. Für die Gewürzmischung je 1 EL Zimt und Kurkuma sowie je 1 TL Koriander und Kardamom mischen und einen ½ TL davon über den Brei streuen.
 

Was sonst noch hilft

Möhrensuppe: Altbewährt ist das Rezept der Moro’schen Möhrensuppe. Sie ist benannt nach dem Kinderarzt Professor Ernst Moro, der damit die Sterbe- und Komplikationsrate von Kindern mit Durchfallerkrankungen drastisch senken konnte. Wirksam sind dabei weniger die Pektine, sondern Oligosaccharide (Zuckermoleküle), die erst beim Kochen der Suppe entstehen. Diese Zuckermoleküle sind den Darmrezeptoren zum Verwechseln ähnlich, sodass die Bakterien statt an der Darmwand an den Oligosacchariden andocken und ausgeschieden werden. Zutaten: 500 g Möhren, 1 l Wasser, 1 TL Salz. Zubereitung: Möhren waschen, schälen und klein schneiden. Mit dem Wasser in einen Topf geben und 1 Stunde auf kleiner Flamme köcheln. Möhren pürieren. Die Suppe auf 1 Liter auffüllen und mit Salz würzen.

Heilerde: Das Pulver aus eiszeitlichem Löss nimmt wie ein Schwamm Bakterien, Schad- und Giftstoffe auf und befördert sie über den Darm nach draußen. Je feiner das Pulver, desto größer ist der Effekt. Heilerde wird in Wasser aufgelöst und getrunken.

Viel trinken: Um den Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt auszugleichen, können Sie folgende Elektrolytlösung herstellen: ½ l Wasser, 1 TL Salz, 7–8 TL Traubenzucker und ½ l Orangensaft. Alles gut durchmischen und über den Tag verteilt trinken.
 

Was tun bei Verstopfung?

Frische Säfte, Flohsamen und Aloe Vera sind wahre Wundermittel gegen Verstopfung. 
 

Unser Tipp
Frische Säfte gegen Verstopfung

Frische Säfte - Wundermittel bei Verstopfung

Frische Säfte gegen Verstopfung

Bei Verstopfung sind frische Fruchtsäfte ein tolles Mittel. Auch die Gemüsevariante hilft den Darm zu beruhigen.

Flohsamen gegen Verstopfung

Flohsamen vom Indischen Wegerich besitzen eine enorme Quellkraft. Sie werden in Joghurt eingerührt und verzehrt. Ganz wichtig: danach ausreichend Wasser trinken! Beispiel: auf 5 g Flohsamen 200 ml Wasser. Nur so können sie ihr Volumen vergrößern und einen Dehnungsreiz auf die Darmwand ausüben. Zu wenig Wasser bewirkt das Gegenteil.
 

Aloe vera gegen Verstopfung

Aloe vera hat neben entzündungshemmenden und wundheilenden Eigenschaften auch eine abführende Wirkung. Zur Anregung der Darmtätigkeit mischt man 200 ml des durchsichtigen Wasserspeichergewebes mit dem Saft einer halben Bio-Zitrone und 400 ml Orangensaft. Wer keine Aloe-Pflanze besitzt, kann frische Blätter über das Internet beziehen.
 

Weitere Hilfsmittel bei Verstopfung

Teemischungen mit Kräutern, Samen und Wurzeln, die unter anderem Bitterstoffe enthalten, regen die Gallentätigkeit und damit die Verdauung an. Bei häufig auftretender Verstopfung empfiehlt sich eine 3- bis 6-wöchige Kur mit einem Mix aus je 10 g Anis, Fenchel, Sennesfrüchten und Süßholzwurzeln (erhältlich in Apotheken). Pro Tasse 2 TL der Teemischung mit 250 ml heißem Wasser übergießen und zugedeckt 5 bis 10 Minuten ziehen lassen. Dreimal täglich eine Tasse trinken.

Apfelessig regt die Verdauungssäfte an und verbessert die Fettverbrennung – weshalb er auch bei Entschlackungskuren geschätzt wird. Selbst schädliche Darmbakterien sind vor ihm nicht sicher. Es gibt also genügend Anreize, täglich vor jeder Mahlzeit ein Glas Mineralwasser, vermischt mit 1 EL Apfelessig, zu trinken.

Sauerkraut bezeichnete Pfarrer Kneipp einst als „Besen des Darms“, womit er in erster Linie die Milchsäurebakterien und ihre positive Wirkung auf die Verdauung im Blick hatte. Die Milchsäure macht den Kohl nicht nur bekömmlicher und gibt ihm sein säuerliches Aroma, sie begünstigt auch den Aufbau einer gesunden Darmflora und hält Fäulnisbakterien in Schach. Setzen Sie zweimal täglich eine kleine Portion rohes, ungekochtes Sauerkraut vor den Mahlzeiten auf den Speiseplan.

Bewegung bringt nicht nur Schwung in den Alltag, sie hält auch unser Verdauungssystem auf Trab. Wie jedes andere Körperorgan profitiert der Darm von regelmäßigem Sport oder sonstigen körperlichen Aktivitäten.

Die Darmflora

Die Darmflora ist unser ganz persönliches Ökosystem. Sie ist so individuell wie der Fingerabdruck. Aber zunächst einmal die Frage: Was hat die Gemeinschaft der Mikroorganismen in unserem Darm mit der Pflanzenwelt, der Flora, zu tun? Der Begriff geht auf die frühere Annahme zurück, Bakterien und andere Mikroorganismen gehörten ins Reich der Pflanzen. Heute bezeichnet man die Gemeinschaft von Bakterien, Viren und Pilzen als Mikrobiom. Eine erste Prägung erhält dieses Mikrobiom bei der Geburt, später kommen immer mehr winzige Organismen hinzu. Insgesamt siedeln rund 100 Billionen Bakterienzellen im Darm eines gesunden Erwachsenen. Sie wehren krank machende Keime ab, schützen die Darmschleimhaut, sorgen für eine optimale Nährstoffverwertung und produzieren darüber hinaus Vitamine und Fettsäuren. Zu ihren weiteren Aufgaben zählt die Unterstützung und Stärkung des Immunsystems.

Unser Tipp
Knoblauch und Ingwer gegen Verstopfung

Nützliche Darmbakterien fördern

Knoblauch und Ingwer gegen Verstopfung

Ingwer und Knoblauch regen nützliche Darmbakterien an und reinigen den Magen von schädlichen Keimen.

Dieses hoch spezialisierte System aus mikroskopisch kleinen Organismen verändert sich ständig und spiegelt unsere Lebensumstände wider: Ballaststoffarme Ernährung, zu viel oder zu wenig Bewegung, Stress, Allergien, zu viel Alkohol und die Einnahme von Medikamenten, hauptsächlich Kortison und Antibiotika, können zu Störungen der Darmflora führen. Von der veränderten Situation profitieren besonders krank machende Bakterien, die sich blitzschnell vermehren und die Darmschleimhaut schädigen. Anzeichen dafür sind Müdigkeit, Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen, Bauchweh, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung oder Durchfall. Ein gestörtes Darmmilieu hat zwangsläufig auch Auswirkungen auf das Immunsystem, denn rund 80 Prozent aller Immunzellen sind im Darm beheimatet. Beide Systeme haben ihre ganz spezifischen Aufgaben, beeinflussen sich aber gegenseitig: Ist das Verdauungsorgan belastet, werden unsere Abwehrkräfte geschwächt – und umgekehrt.

Unser Tipp
Schritt 1: Fenchel mörsern

Bei Bauchschmerzen

Schritt 1: Fenchel mörsern

Ein warmer Bauchwickel ist perfekt, um Verkrampfungen zu lösen.

Heilpflanzen für Magen & Darm

  1. Artischocken sind hilfreich bei Blähungen und Völlegefühl. Ihre Bitterstoffe regen die Bildung von Magen- und Gallensäure an und unterstützen die Verdauung von Fetten.
  2. Aus den Wurzeln der Wegwarte wird Tee aufgebrüht. Geröstet und gemahlen dienen sie als Kaffee-Ersatz. Ihre Inhaltsstoffe sind appetitanregend und verdauungsfördernd.
  3. Löwenzahn, eines unserer kraftvollsten Wildkräuter, besitzt außer Bitterstoffen, Farb- und Schleimstoffen den Ballaststoff Inulin, Vitamine und Mineralstoffe, hauptsächlich Kalium. Arzneilich wirksam sind alle Teile: Wurzeln, Blätter, Stängel, Knospen und Blüten.
  4. Die Brombeere lockt mit leckeren Früchten. Ihre gerbstoffreichen Blätter helfen als wohlschmeckender Tee bei Durchfallerkrankungen.
  5. Die Anwendungsmöglichkeiten der Ringelblume sind eben so vielseitig wie ihre Wirkstoffe. Als Tee lindert sie Bauch- und Menstruationsschmerzen.
  6. Mit seinem herben Geschmack zählt der Wermut zu den bewährten Bitterkräutern bei Magen- und Gallenbeschwerden.
  7. In den Blättern und Blüten der Malve befinden sich Schleimstoffe. Als Tee zubereitet, legen sie sich wie ein Schutzmantel auf entzündete Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt, ebenso im Mund- und Rachenbereich.
  8. Die orangefarbenen Früchte der Eberesche (Vogelbeere) können sowohl bei Durchfall wie Verstopfung eine Verbesserung erzielen. Zubereitet werden sie als Sirup, Gelee oder Likör.

Probiotika und Präbiotika

Probiotika oder Präbiotika — wo liegt der Unterschied? Beide unterstützen den Darm, aber auf unterschiedliche Weise. Probiotische Lebensmittel liefern lebende Mikroorganismen, hauptsächlich Bifido- und Milchsäurebakterien, die sich im Darm ansiedeln und die Aufgabe haben, die Ausbreitung schädlicher Keime zu verhindern. Zu den probiotischen Nahrungsmitteln zählen zum Beispiel Sauerkraut, milchsaure Säfte aus Möhren und Rote Bete, Brottrunk, Kefir, Joghurt und Buttermilch. Für die Entwicklung einer gesunden Darmflora spielen aber nicht nur probiotische, sondern auch präbiotische Lebensmittel eine wichtige Rolle. Dazu gehören ballaststoffreiche Gemüse wie Chicorée, Topinambur, Schwarzwurzeln, Artischocken, Löwenzahnwurzeln, Lauch und Spargel, ebenso Hülsenfrüchte und Vollkornbrot. Sie werden von den Bakterien im Dickdarm aufgespalten und stärken das Gleichgewicht der Darmflora, indem sie die Ausbreitung guter Bakterien fördern. Pro Tag wird 30 g ballaststoffreiche Kost empfohlen.

Die Aussage „Der Schlüssel zur Gesundheit liegt im Darm“ trifft zweifellos zu, wenn man sich diese Zusammenhänge vor Augen führt. Was aber kann man tun, um Magen und Darm gesund zu erhalten? Eine ganze Menge! Unsere Verdauungsorgane und Darmbakterien lieben Bitterstoffe, wie sie in vielen Wildkräutern, in Chicorée, Rucola und Endivie vorkommen. Dasselbe gilt für Gewürze wie Anis, Kümmel, Fenchel, Ingwer, Koriander und Knoblauch sowie für Lebensmittel, die Milchsäurebakterien enthalten. Nicht zu vergessen: ballaststoffreiche Nüsse, Hülsenfrüchte, Rosenkohl, Brokkoli, Sellerie, Pflaumen und Äpfel. Rundum gut gestärkt mit abwechslungsreicher, vollwertiger und naturbelassener Kost, ist das riesige Heer positiver Darmbakterien dann auch gerne bereit, sich für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden einzusetzen.

Unser Tipp
Magenbitter selber machen

Magenbitter regt die Verdauungssäfte an

Magenbitter selber machen

Bei Magendrücken, Völlegefühl und leichter Übelkeit ein Schnapsglas voll nach dem Essen oder bei Bedarf trinken - wirkt Wunder.