Deutsche Sprichwörter

Gut Ding will Weile haben“ – auch in der Sprache: Unser Leben ist geprägt von Sprichwörtern und Weisheiten. Zum Teil werden sie seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben. Sie spiegeln Moral-Vorstellungen, Traditionen und Lebenserfahrungen wider, die sich im Laufe der Zeit etabliert haben. Wir verwenden „komplette“ Sprichwörter, die aus einem ganzen Lehrsatz bestehen, genauso wie Redensarten, die in die Erzählung eingebunden werden – wie zum Beispiel, wenn etwas „in die Binsen geht“.

„Den Nagel auf den Kopf getroffen“ hat, wer sich besonders treffsicher ausdrückt

Sprichwörter: Herkunft & Bedeutung

Ihre große Bildhaftigkeit macht diese geflügelten Worte so beliebt. Auch wenn wir heute kaum noch selbst auf die Jagd gehen, haben wir doch noch immer eine lebhafte Vorstellung davon, wie beispielsweise eine Wildente unwiderruflich entkommt, sobald sie sich im hohen Binsengras versteckt. Denn viele Sprichwörter stammen aus Bereichen unserer Gesellschaft, die stark in unserer Herkunft verwurzelt sind. Die Landwirtschaft, althergebrachte Handwerksberufe und auch die Volksheilkunde haben ihre Spuren hinterlassen. So wissen wir, dass Lachen gesund ist, ja sogar die beste Medizin.

Die mittelalterliche Lehre von der Behandlung einzelner Organe, die diesen Leitsatz begründete, ist dagegen in Vergessenheit geraten. Denn früher hieß es eigentlich: „Lachen ist der Leber gesund“. Man war der Auffassung, dass Freude und Frohsinn der Leber helfen könnten, frisches Blut zu erzeugen. Auch die Redensart „auf dem Holzweg sein“ hatte für unsere Vorfahren eine sehr konkrete Bedeutung: Wer sich im Wald verirrte, weil er aus Versehen dem Transportweg des Köhlers folgte, befand sich schließlich auf dessen Holzweg. Wenn heute jemand „ein Bäuerchen macht“, weiß kaum jemand, dass man sich früher mit dieser Wendung auf die ungeschliffenen Tischmanieren der einfachen Bauern bezog. Und der Begriff „blaumachen“ wird heute eher fürs Faulenzen verwendet.

„Das Eisen schmieden, solange es heiß ist“ ist eine der vielen Weisheiten, die wir altem Handwerk wie der Schmiedekunst verdanken

Wissen aus alten Handwerks-Traditionen

Vor Jahrhunderten bezog sich der Ausdruck „blau machen“ noch auf eine wohlverdiente Pause: Mittelalterliche Färber mussten ihre eingefärbten Stoffe für einen Tag der Sonne aussetzen. Denn erst auf diese Weise entwickelte der leuchtend blaue Indigo-Ton der Tücher seine ganze Wirkkraft. An diesem Tag konnten die Färber also nicht weiterarbeiten. Die Ursprünge und die Entwicklung der Sprichwörter im täglichen Gebrauch faszinierten und begeisterten die Menschen schon sehr früh. Bereits der griechische Philosoph Aristoteles beschäftigte sich damit. Gerne verwies er auf die „allgemeine Wahrheit“ der Gesellschaft, die sich im Sprichwort widerspiegele.

Redewendungen in der Literatur

Auch in der Literatur wurden Redewendungen schon sehr früh verwendet. Auf die Spitze trieb es jedoch eine Sagengestalt des Mittelalters: „Till Eulenspiegel“. In dem gleichnamigen, mittelniederdeutschen Volksbuch narrt der berühmte Schelm seine Mitmenschen, indem er sie tatsächlich beim Wort nimmt. So zeigt er, dass man selbst den Reichsten und Mächtigsten Kontra geben kann, wenn man pfiffig und wortgewandt ist – auch mithilfe der Sprichwörter.

„Das schlägt dem Fass den Boden aus“ veranschaulicht, dass eine Belastung manchmal zu groß wird und schließlich nicht mehr tragbar ist

Redewendungen: Barockzeit bis heute

Einer der Ersten, der diese Weisheiten und Lehrsätze regelrecht aufspürte und zu bewahren suchte, war Martin Luther. Mehr als 3 000 Redewendungen verwendete er in all seinen Werken. Die große Zeit des Sprichworts kam jedoch erst später: In der Barockzeit entstanden besonders viele geflügelte Worte. Das lag wohl an der Vorliebe damaliger Autoren für eine bilderreiche Sprache. Später etablierte Johann Wolfgang von Goethe viele Neuschöpfungen, die in unserem Sprachraum zu Sprichwörtern wurden. So stammt zum Beispiel die Weisheit „Aller Anfang ist schwer“ aus dem „Faust“. Diese Entwicklung setzt sich bis in die Gegenwart fort und ist noch lange nicht abgeschlossen. Welche Sprichwörter wir in der Zukunft verwenden und welche neu hinzukommen – „das ist ein unbeschriebenes Blatt“. 

„Alles in Butter“ – Im Mittelalter gab es noch kein Verpackungsmaterial. Zerbrechliches Glas wurde daher vor dem Transport in Fässer gegeben und mit flüssiger Butter begossen. War sie erkaltet und fest, schützte sie das Glas vor Schäden, und alles war gut

Interessant

Martin Luther: Reden & Texte

Zeit seines Lebens beschäftigte sich der Theologe und Gelehrte (1483 - 1546) mit der Wirkung von Sprache. In seiner wichtigen Sammlung deutscher Sprichwörter, die nach 1530 entstand, führt er 489 Beispiele auf und verwendet darüber hinaus noch viele weitere Spruchweisheiten in seinen übrigen Werken. Da er die Redensarten jedoch nicht mit Kommentaren versah, waren sie wohl eher für den eigenen Gebrauch gedacht. Vermutlich notierte er zunächst alltägliche Ausdrücke sowie Bibel-Sprüche aus dem Gedächtnis und trug immer wieder nach, was ihm einfiel. So belebte er seine Reden und Texte mit den starken Sprachbildern, für die sie noch heute bekannt sind.

Noch mehr Sprichwörter

  • „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ ist eine germanische Redensart. Sie bezieht sich auf die Erzählung von einem gewissen „Abfells“, der nah bei seinem (Volks-) Stamm starb.
  • „Hunde, die bellen, ...“ sind der Alltagserfahrung nach gar nicht so bissig.
  • „Schmutzige Wäsche waschen“ ist ein Ausdruck, der heute gerne fürs Tratschen verwendet wird. Das rührt daher, dass sich die Frauen einst zum Wäschewaschen am Fluss oder am Dorfbrunnen trafen – und dabei Neuigkeiten austauschten.
  • „Jeder kehre vor seiner eigenen Tür“ ist ein Sprichwort, das eine konkrete Aufforderung im moralischen Sinn beinhaltet. Auf diese Weise werden seit Jahrhunderten gültige Gesellschaftsregeln überliefert.
  • „Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne“ Mit diesem Sprichwort aus dem Arbeitsalltag wird angedeutet, dass bei allen Vorteilen eine Sache auch Nachteile mit sich bringen kann.
  • „Unter der Haube“ sind verheiratete Frauen deshalb, weil sie früher nach der Hochzeit traditionell diese Kopfbedeckung trugen.

Unsere Empfehlung

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