Geschichte der Sternsinger

Der goldene Stern ist schon von Weitem zu sehen, und dahinter reihen sich kleine Gestalten mit wallenden Mänteln. Sie heben die Röcke, stapfen durch knöcheltiefen Schnee und halten auf das nächste Haus zu. Auf ihrem Weg folgen die Sternsinger zwischen Weihnachten und dem 6. Januar einer alten Tradition und Vorbildern aus der noch älteren Geschichte von den drei Weisen aus dem Morgenland: Diese kamen einst als Sterndeuter nach Bethlehem. Sie hatten die Geburt eines großen Königs vorhergesehen und wollten ihn nun gebührend empfangen. Geführt von einem hellen Stern am Firmament, fanden sie Jesus in einer Krippe und überreichten ihm wertvolle Geschenke.

Im Mittelalter waren nicht nur Kinder mit einem gelben Holzstern unterwegs. Auch Männer verkleideten sich als Könige, um für ihre vorgetragenen Lieder kleine Spenden zu erhalten.

Im Volksmund änderte sich die biblische Geschichte mit der Zeit, wurde neu interpretiert und ausgeschmückt. So wurden die Sterndeuter zu heiligen Königen, man gab ihnen Namen, Gesichter und eine Herkunft. Sie wurden zu Caspar, Melchior und Balthasar und symbolisierten die damals bekannten Kontinente Afrika, Asien und Europa. In Anlehnung an die Reise der drei Könige wurde das Sternsingen im Mittelalter zum religiösen Brauch. Am Dreikönigstag, auch bekannt als Epiphanias, Erscheinung des Herrn, zogen Jungen und Männer von Haus zu Haus, verkündeten feierlich die Geburt Christi mit Gedichten und Gesang und erhielten dafür etwas zu Essen oder ein wenig Geld.

Vor allem in katholischen Regionen hat sich das Sternsingen erhalten, wandelte sich jedoch zum karitativen Brauch. Seit 1959 findet das Dreikönigssingen unter dem Dach der katholischen Kirche statt. Mit dem Leitspruch „Segen bringen, Segen sein“ beteiligen sich rund 500000 kleine und große Helfer. Sie weihen die Häuser sowie ihre Bewohner und sammeln Geld für Kinder in Not. Die drei Könige aus der Bibel sind dabei noch immer bedeutende Vorbilder. „Für mich stehen sie für die Vielfalt und dafür, dass es Menschen gibt, die sehen, dass etwas passiert, und sich auf den Weg machen – ein Ansporn dafür, den Mut zu haben, etwas zu verändern“, sagt Sebastian Ulbrich, Koordinator der „Aktion Dreikönigssingen“. Ein großes Leitthema – wie etwa Kinder auf der Flucht – steht bei der Spendenaktion im Vordergrund. Die Pfarrgemeinden erhalten lange vor Weihnachten Informationsmaterial und Anregungen für Gebete und Lieder.

CMB: Die Bedeutung der drei Buchstaben

Die Kreidezeichen stehen für „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“. Auch mit den Initialen von Caspar, Melchior und Balthasar stimmen sie überein. Der Stern soll den Stern von Bethlehem oder die Geburt Jesu Christi symbolisieren, die Kreuze einen dreifaltigen Gott.

Gold, Weihrauch und Myrrhe: Symbolische Bedeutung

Weil die Sterndeuter dem neugeborenen Jesus drei kostbare Schätze reichten, wurden sie in den Geschichten und Legenden zu Königen stilisiert. Seit dem 2. Jahrhundert deutete man ihre Geschenke als Symbol dafür, dass Christus Mensch, König und Gott zugleich war. Myrrhe wird aus dem Harz von Balsambaum-Gewächsen gewonnen. Den getrockneten Kristallen spricht man eine heilende Wirkung gegen körperliche Leiden zu. Dieses Geschenk soll symbolisieren, dass Jesus ein Mensch war. Gold galt lange als das Wertvollste aller Metalle, steht noch immer für Reichtum und gebührt einem König. Für das Göttliche steht der Weihrauch, dessen duftender Rauch aufsteigt, sich ausbreitet und jedes Unheil abwenden soll.

Ein heller Stern führt die Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem und zur Krippe, in der das Jesuskind liegt. Die Darstellung der drei Könige wandelte sich in der Malerei ebenso wie in den Legenden. In vielen Bildern wurde eines der Gesichter nachträglich dunkel angemalt, als man in den volkstümlichen Erzählungen von einem afrikanischen König zu sprechen begann.

Bei Wind und Wetter sind die Sternsinger nach Weihnachten in prächtigen Gewändern, mit Krone und Stern unterwegs. Im Rahmen der „Aktion Dreikönigssingen“ ziehen sie von Tür zu Tür, spenden Segen und sammeln Geld für mehrere Tausend Hilfsprojekte weltweit.